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Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Selbstjustiz Rückfall in die Barbarei bernhard hänel

Bielefeld (ots) - Lynchjustiz und Selbstjustiz: Der deutsche Wortschatz kennt mehrere Begriffe, mit denen illegale Exekutionen tatsächlicher oder vermeintlicher Verbrecher oder unliebsamer Personen beschrieben werden. Allen ist gemein, dass die Tötung ohne anerkanntes richterliches Verfahren stattfindet. Ebenso geläufig ist auch der Spruch "das Recht in die eigene Hand nehmen". Immer wenn dies dann tatsächlich passiert ist, reagieren wir beklommen. Wir sind erstaunt, dass Menschen tatsächlich in der Lage waren, das in die Tat umzusetzen, was wir im Innersten nicht ganz auszuschließen gewillt oder in der Lage waren. "Das geschieht ihm (oder ihr) ganz recht" lautet ein weiterer Satz, der dann gesprochen wird, wenn man fest damit rechnet, dass ein Täter zu milde davon-kommen könnte. Dann gibt es bisweilen ein stilles (Ein-)Verständnis mit Menschen, die zur Selbstjustiz gegriffen haben. Dieses Recht aber gibt es nie und nimmer. Da vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind, gibt es auch keine Rechtfertigung dafür, aus religiösen oder ethnischen Gründen die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und so eine unbezweifelbare Straftat zu rächen. Selbst das Gefühl von Ohnmacht ist keine Rechtfertigung. Schaut man sich die Fälle von Selbstjustiz in Deutschland an, so rechtfertigen sie keine Schuldzuweisung an einzelne Bevölkerungsgruppen. Sie sollten aber Anlass dafür sein, über die öffentliche Daseinsvorsorge nachzudenken, wie die Polizeigewerkschaft betont. Eine zunehmende Missachtung des staatlichen Gewaltmonopols wäre eine Rückfall in die Barbarei. bernhard.

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