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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Kindesmisshandlung Keine Entwarnung Alexandra Jacobson, Berlin

Bielefeld (ots) - Die Zahlen sind nach wie vor erschreckend: In Deutschland werden jede Woche drei Kinder getötet, 78 misshandelt und 286 sexuell missbraucht. Mag die Zahl der Kindstötungen gegenüber dem Vorjahr auch leicht zurückgegangen sein, es gibt keinerlei Grund zur Entwarnung. Da die meisten Gewalttaten an Kindern im familiären Umfeld geschehen, ist es besonders wichtig, dass etwa Nachbarn, Lehrer oder Kinderärzte frühzeitig Alarm schlagen. Gewiss mischt sich niemand gerne in das Familienleben anderer Leute ein. Doch die Polizei kann nur verfolgen, was vorher angezeigt worden ist. Die Augen verschließen und wegschauen, wenn ein entsprechender Verdacht besteht, ist keine Alternative. Es handelt sich hier um die schwächsten und schutzbedürftigsten Mitglieder der Gesellschaft, die über keinerlei Möglichkeit verfügen, sich selber an die Polizei zu wenden. "Eine Misshandlung zu erkennen ist keine Kernphysik" sagt der Rechtsmediziner Michael Tsokos, der regelmäßig erlebt, dass erst viel zu spät eingeschritten wird. An der Misere sind auch heillos überlastete Jugendämter schuld. In Berliner Problemkiezen muss sich etwa ein Sozialarbeiter um 160 Familien kümmern. Die Zahl der hilfebedürftigen Kinder nimmt insgesamt zu, Doch bei den Sozialarbeitern wird nicht aufgestockt: 8.000 arbeiten in diesem Bereich, in ganz Deutschland. Dass das nicht ausreicht, leuchtet ein.

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