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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Wie Paderborn von der Bundesliga profitieren könnte Fußball und Image Hubertus Gärtner

Bielefeld (ots) - Vom amerikanischen Schriftsteller Bernard Ma-lamud, der 1986 an einem Herzinfarkt gestorben ist, stammt eine ergreifende Erzählung, die den Titel "Schwarz ist meine Lieblingsfarbe" trägt. Die Hauptfigur, Nat Lime, ein jüdischer Spirituosenhändler, lebt darin als Weißer mitten unter Farbigen in einem New Yorker Viertel. Ma-lamud beschreibt, wie Lime die Grenzen und Vorurteile zwischen den Menschen überwinden will, es aber nicht schafft. Obwohl, wie gesagt, Schwarz doch seine Lieblingsfarbe ist. Von Malamud über New York bis nach Paderborn ist es, zugegeben, ein weiter Weg. Doch auch in der Stadt Paderborn ringt man schon viele Jahre mit Vorurteilen, die offenbar kaum auszurotten sind. "Schwarz" sei Paderborn, weil von CDU und Kirche geprägt, heißt es oft. Dabei ist das längst Vergangenheit. Die CDU muss in Wahrheit um ihre Mehrheit kämpfen, die Macht der Kirche geht schon lange zurück. Tatsächlich ist Paderborn heute bunt, modern und wirtschaftlich wie kulturell aufstrebend. Dem "großen Nachbarn" Bielefeld stehen die Paderborner kaum noch nach, mindestens sportlich haben sie ihn aktuell sogar schon überflügelt. Ganz Deutschland konnte sich davon am letzten Wochenende überzeugen: Als der SC Paderborn den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga schaffte, schaute ein Millionenpublikum zu. Die Menschen verfolgten am Bildschirm, wie eine ganze Stadt feierte und auf äußerst sympathische Art und Weise Werbung für sich machte. Viele Verantwortliche in Politik und Gesellschaft formulieren nun die Hoffnung, dass dieser grandiose sportliche Erfolg, der von der Fachwelt umgehend als mittleres "Wunder" eingestuft wurde, nun eine Imageverbesserung, im günstigsten Fall sogar eine nachhal-tige Imageveränderung für Paderborn mit sich bringen wird. Dazu sind aber noch einige Voraussetzungen zu erfüllen. Zweifellos wohnt dem Spitzenfußball ein gewaltiger Zauber inne, der ein Image einer Stadt, also das Selbstbild und das Fremdbild, prägen kann. München transportiert sich über die Kicker des FC Bayern machtvoll in die ganze Welt, Dortmund bringt mit seiner Borussia nicht nur den Ruhrpott zum Kochen. Manches bleibt einander aber auch erstaunlich fremd. Das glorreiche Image von Borussia Mönchengladbach hat der Stadt noch keinen Glanz verliehen, und Schalke 04 hat die Arbeitslosenquote in Gelsenkirchen nicht beseitigt. In Dresden überstrahlt die Semperoper alles. Gewaltbereite Fußballfans verschlechtern dort sogar das Image. Und Hoffenheim wird auch nicht liebenswerter, weil ein Milliardär dort Bundesliga-Fußball spielen lässt. Andererseits hat Braunschweig durch seine treuen, friedlich feiernden Eintracht-Fans sogar im Abstieg reichlich Sympathien dazugewonnen. Fußball und Image - dieses Verhältnis ist also kompliziert. Wenn unter Imagegesichtspunkten überhaupt etwas am SC Paderborn zu bekritteln sei, dann die Vereinsfarben, sagt der Medienwissenschaftler Jörg Müller-Lietzkow, der an der Paderborner Hochschule lehrt. Schwarz-Blau sei zu düster. Um den jetzt erzielten Imagegewinn zu verstetigen und nachhaltig zu nutzen, sollte in Paderborn "jeder Gegner gefeiert" werden, rät der Professor. Ein relativ kleiner Verein sollte sich möglichst als ganz großer Gastgeber präsentieren. Wenn die ganze Stadt daran mitwirke, dann werde sich ihr derzeit noch konservatives Image in ein "hochintegratives" verwandeln. Auch die Medien könnten dann auf Dauer nicht mehr ihre Vorurteile kolportieren. Wenn es ums Image für die gesamte Stadt geht, dann sollte der SC Paderborn 07 auch in der 1. Bundesliga möglichst so bleiben, wie er ist. Unprätentiös, liebenswürdig und erfolgreich.

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