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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Armutseinwanderung Verzerrte Dimensionen ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN

Bielefeld (ots) - Nichts ist wichtiger, als in die Debatte um Zuwanderung wieder Sachlichkeit hineinzubringen. Mittlerweile wird ja nur noch über den möglichen Missbrauch von Sozialleistungen gesprochen. Den gibt es natürlich auch, und der muss bekämpft werden. Aber die Dimensionen werden völlig verzerrt und überzeichnet. Dabei gerät das große Glück der europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit aus dem Blick. Ohne Pflegekräfte aus Osteuropa, vor allem aus Polen, könnten in Berlin die meisten Altenheime dichtmachen. Aus Rumänien und Bulgarien kommen hoch qualifizierte Ärzte, Krankenschwestern und IT-Spezialisten, die hierzulande dringend gebraucht werden. Gut, dass die Bundeskanzlerin ihre Zurückhaltung in der Debatte aufgegeben und den Kontakt zu Vizekanzler Gabriel gesucht hat - ein Ausschuss auf Staatssekretärsebene scheint das richtige Instrument zu sein, um sich dem Thema mit Vernunft und Sachkenntnis zu nähern. Natürlich existiert auch eine Armutszuwanderung. Menschen, die keinerlei Zukunftshoffnung mehr haben, werden immer versuchen, ihre Heimat zu verlassen. Mit der Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt hat das allerdings nichts zu tun, sondern mit einer strukturellen Perspektivlosigkeit. Solange es Rumänien und Bulgarien zulassen, dass die Roma in Bruchbuden vegetieren ohne Strom und fließend Wasser, gibt es eine starke Motivation, diese Heimatländer zu verlassen. Dass die beiden Herkunftsstaaten die EU-Gelder zur Verbesserung der Lebensbedingungen bis heute nur zu einem Bruchteil abgerufen haben, zeigt, dass hier noch viel zu tun ist. Die Probleme der Armutszuwanderung reichen tiefer, als es populistische Losungen glauben machen. Der Schlüssel liegt letztlich in den Herkunftsländern.

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