Neue Westfälische (Bielefeld): Umfrage zum Selbstbild in Ost und West Deutsche Wahrheit THOMAS SEIM

Bielefeld (ots) - Willy Brandt hatte sich das anders vorgestellt. Seine Erwartung war, dass in Deutschland nach dem Fall der Mauer nun zusammenwachse, was zusammengehört. Das war viel angemessener, als es Helmut Kohls Gerede von blühenden Landschaften je sein konnte. Allein - es scheitern offenbar beide Visionen an der Realität. Dass es mit den blühenden Landschaften nicht einfach werden dürfte, war früh abzusehen. Dass Ossis und Wessis aber nach nun gut 22 Jahren deutscher Vereinigung - fast einer vollständigen Generation also - immer noch in alten, überkommenen Urteilen beziehungsweise Vorurteilen verharren, ist bedenklich. Natürlich hat jede Landsmannschaft Eigenheiten: der Bayer krachledern, der Franke betulich, der Schwabe kompliziert, der Niedersachse erdverwachsen, der Rheinländer oberflächlich, der Ostwestfale mürrisch und so weiter. Und natürlich stimmt das im Einzelfall nie und ist immer übertrieben. Darum geht es hier aber nicht. Hier wird der Westen versammelt gegen den Osten in Stellung gebracht. Und umgekehrt. Daraus muss man schließen, dass es bislang nicht gelungen ist, die Gräben fehlender gemeinsamer Nachkriegsjahre einzuebnen. Das ist bitter und brisant. Nicht etwa, weil wir noch Zeit zum Zusammenwachsen oder für blühende Landschaften brauchen. Nein, der Mangel an gesamtdeutscher Identität ist eine Wurzel für das Aufkeimen rechtsradikalen Gedankenguts, weil sich darin Eifersucht und Neid von Ost und West spiegeln. Das ist die aktuelle deutsche Wahrheit.

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