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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Bundespräsident Gauck in Israel Mehr als Staatsräson CARSTEN HEIL

Bielefeld (ots) - Staatsräson ist Vernunft. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel davon spricht, dass das Existenzrecht Israels ein Teil der deutschen Staatsräson sei, bewegt sie sich ausschließlich auf dieser intellektuellen Ebene. Inhaltlich hat sie völlig recht. Wer aber einmal in Jad Vashem war, der Gedenkstätte für die Millionen im deutschen Namen umgebrachten Juden in Jerusalem, wer das Vernichtungslager Auschwitz besucht hat oder Bergen-Belsen, wer die Bücher von Nobelpreisträger Imre Kertész und anderen gelesen hat, kann nicht unbewegt bleiben. Nicht, weil es sich für einen deutschen Politiker so gehört, für das Existenzrecht Israels einzutreten, sondern weil er intellektuell und emotional davon überzeugt ist, muss er an der Seite der Israelis stehen. Anderes ist undenkbar. Das hat Joachim Gauck schon am ersten Tag seines Besuches in Israel geleistet. Er ist ein Bundespräsident des richtigen Verstehens und der richtigen Gesten und Worte. Weil er so glaubwürdig dieses für immer besondere Verhältnis der Deutschen zu den Israelis unterstrichen hat, kann er sich mit großer Freiheit auch für die Belange des palästinensischen Volkes einsetzen. Er kann die Politik der israelischen Regierung kritisch ansprechen. Völlig richtig weist er in Jerusalem darauf hin, dass die Palästinenser ebenfalls ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit, auf einen eigenen Staat haben. Die Siedlungspolitik der israelischen Regierungen der vergangenen Jahre war und ist Unrecht. Die Opfer der fürchterlichen Nazi-Gräuel und deren Nachkommen, leben heute nicht automatisch im Recht mit allem was sie tun. Aber sie haben ein Existenzrecht, das Deutschland vor dem Hintergrund der Geschichte mit zu garantieren hat. Die Deutschen müssen sich indes darüber im Klaren sein, dass sie angesichts der Politik des Iran schneller liefern müssen als ihnen lieb sein wird.

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