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Neue Westfälische: KOMMENTAR Sparkurs der Post Mehr strampeln MARTIN KRAUSE

    Bielefeld (ots) - Es ist nicht einfach, bei der Post in Bonn jemanden zu finden, der sagt: Jawohl, wir wollen billige Standardbriefe nur noch dienstags bis samstags verteilen. Viele tausend der insgesamt 155.000 Mitarbeiter im deutschen Briefdienst könnten sich ausrechnen, dass ihr Job gefährdet ist. Kein Geheimnis ist es aber, dass Post-Chef Frank Appel unbedingt sparen will. Ohne den Postbank-Verkauf wäre die Ertragslage des größten privaten Arbeitgebers in Deutschland (an dem der Staat noch 30,5 Prozent hält) wirklich mager. Dabei wirft der Briefdienst noch immer ordentliche Gewinne ab, wenn man eine Umsatzrendite (vor Zinsen und Steuern) von mehr als acht Prozent so nennen darf. Sorgenkinder sind all die anderen Bereiche, die 70 Prozent des Geschäfts ausmachen und die zum Teil Verluste liefern. Nun sollen die Postboten in Deutschland noch mehr strampeln, nämlich 40 statt 38,5 Stunden pro Woche, damit die Konzernkollegen in Amerika halbwegs über die Runden kommen. Auf fällige Lohnerhöhungen sollen sie verzichten. Früher oder später werden sie vielleicht auch größere Zustellbezirke akzeptieren müssen. Denn gebetsmühlenartig verweisen ihre Bosse auf schrumpfende Umsätze, weil immer mehr E-Mails und immer weniger Briefe geschrieben werden. Heute zeigt sich, dass Klaus Zumwinkels Druck auf die Tränendrüse, als er sich für einen Mindestlohn von 9,80 Euro für seine Zusteller stark machte, tatsächlich nur dem Wettbewerbs-Kalkül geschuldet war. Dem Manager ging es weniger um das Wohl seiner Leute oder den Kampf gegen Sozialdumping. Der Vorstandschef hatte vor allem die Chance im Auge, die noch jungen Wettbewerber an die Wand zu drücken. Aber auch, wenn Zumwinkel als Steuersünder aus dem Amt entfernt wurde: In der durch die Digitalisierung bedrängten Branche wird es wohl nicht mehr so richtig gemütlich werden.

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