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Neue Westfälische: Horst Köhlers Konkurrentin analysiert die Krise Schwans Gesang UWE ZIMMER

    Bielefeld (ots) - Gäbe es die von vielen Bundesbürgern befürwortete Direktwahl des Präsidenten, Gesine Schwan hätte keine Chance. Sich die zierliche Professorin auf einem Marktplatz vor tausenden Menschen als mitreißende Rednerin vorzustellen, ist undenkbar. Die Waffen dieser Frau heißen: intellektuelle Schärfe, ungeschminkte Wahrheiten, politische Kompromisslosigkeit und ein sympathischer Hauch von sozialer Utopie. Vernunft ist ihr Schlüsselbegriff, die Aufklärung ihre geistige Heimat. Bei der Analyse der gegenwärtigen Wirtschaftskrise setzt sie tiefer an als der Mann, gegen den sie am 23. Mai in der Bundesversammlung antritt. Nicht die Gier als Grundsünde habe den Niedergang ausgelöst, sondern der neoliberale Wahn des entfesselten Wettbewerbs. Wenn keine Grenzen mehr beachtet oder gesetzt werden, dann herrscht die Diktatur des Ellenbogens. Wenn jeder allein auf sich gestellt ist, die Gesellschaft atomisiert wird, dann haben Scharlatane und Verführer die besten Chancen, sich an die Spitze politischer Bewegungen oder Staaten zu setzen, wie Beispiele aus der deutschen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts beweisen. Obwohl sie die Stimmen der SPD, der Grünen und der Linken braucht, um gewählt zu werden, spielen die Parteien in ihren Zukunftsplänen eher eine untergeordnete Rolle. Im Zeitalter der Globalisierung ruht die Hoffnung der 65-Jährigen auf nichtstaatlichen Organisationen und Kräften, die vom Zeitgeist des absoluten Wirtschaftserfolgs bislang an die Wand gedrückt wurden. Mit ihnen will sie als Bundespräsidentin die richtige Definition und die mögliche Umsetzung des Gemeinwohls im Gespräch erstreiten. Mit Gesine Schwan würde das höchste deutsche Staatsamt intellektuellen Glanz bekommen. Der könnte sogar die Frage der umstrittenen demokratischen Legitimation überstrahlen.

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