Zwang zu Unisex-Tarifen beschert Versicherern hohe Belastungen / EuGh-Urteil erhöht Druck auf Aktuariat und Risikomanagement

Hamburg (ots) - Die deutsche Assekuranz steht vor hohen Zusatzbelastungen infolge des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGh), das ab 21. Dezember 2012 einheitliche Versicherungstarife für Männer und Frauen bei Neuverträgen vorschreibt. Die Einführung von Unisex-Tarifen wird vor allem in den Bereichen Aktuariat und Risikomanagement zusätzlichen Aufwand verursachen. Hier lastet ohnehin schon ein hoher Druck auf den Versicherern. Grund hierfür sind die EU-Aufsichts- und Eigenkapitalregeln Solvency II sowie die Umstellung auf den neuen Höchstrechnungszins von 1,75 Prozent zum 1. Januar 2012. Die Zusatzkosten für die Schaffung geschlechterneutrale Tarife werden, soweit die Marktlage dies zulässt, mittelfristig auf alle Versicherten umgelegt werden. Dies hat eine Markteinschätzung des Beratungshauses PPI AG ergeben.

Bei Versicherungen, in denen die Tarife zwischen Männern und Frauen stark voneinander abweichen, sind umfassende Neukalkulationen erforderlich. So werden Männer bislang in der Risikolebens- und der Kfz-Versicherung teurer als Frauen eingestuft, günstiger hingegen in der privaten Renten- und Krankenversicherung. Da Frauen nach der aktuellen Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt fast sechs Jahre länger leben als Männer (83 gegenüber 77 Jahre), werden sie von einem neuen Einheitstarif in der privaten Rentenversicherung profitieren - dennoch kann es insgesamt für alle Versicherten teurer werden. "Je nach Marktlage werden die Versicherer versuchen, die entstehenden Kosten an die Versicherten weiterzugeben" erklärt Wolfram Spengler, Leiter Unternehmenssteuerung bei PPI. "Die Neuberechnung der Tarife in vielen Versicherungssparten wird beileibe nicht der einzige Kostenpunkt sein, der über höhere Beiträge von allen Kunden mitzutragen ist. Beispielsweise müssen Dokumente und Informationsunterlagen angepasst werden, auch das kostet Geld", so Spengler.

Mit dem Wegfall der nach Geschlecht differenzierenden Versicherungstarife wird zugleich das eherne Prinzip der Äquivalenz von Beitrag und Risiko aufgeweicht. "Das Verbot, Beitragssätze nach dem Geschlecht zu differenzieren, rüttelt am Grundverständnis der Branche", sagt Torsten Gillessen, Leiter Aktuariat bei PPI. "Es besteht die Gefahr, dass mittel- und langfristig auch die Segmentierung nach Kriterien wie Eintrittsalter oder Wohnort untersagt und damit eine risikogerechte Tarifierung unmöglich gemacht wird."

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