Woche des Sehens

Woche des Sehens 8.-15. Oktober: Licht am Ende des Tunnels
Retinitis pigmentosa: Wenn Netzhautzellen langsam absterben

Düsseldorf (ots) - Die Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2014 zeigt in einem neuen Filmspot, wie sich die genetisch bedingte Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa auswirkt: Den Radfahrer, der von der Seite herankommt, bemerken Betroffene erst spät. Treppenstufen und Bordsteine werden zu echten Stolperschwellen. Die Münzen im Geldbeutel sind dagegen noch gut zu erkennen.

Von der erblich bedingten Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa sind in Deutschland schätzungsweise 30.000 Menschen betroffen. Bei ihnen sterben nach und nach die lichtempfindlichen Zellen in der Netzhaut des Auges ab. Zu den Symptomen gehören Nachtblindheit, Blendempfindlichkeit, ein nachlassendes Farbensehen und Ausfälle im Gesichtsfeld. Allmählich engt sich das Gesichtsfeld immer weiter zum so genannten "Tunnelblick" ein, bis die Betroffenen schließlich vollständig erblinden. Behandeln oder gar heilen lässt sich die Krankheit bisher nicht, doch die aktuelle Forschung gibt Anlass zur Hoffnung, dass Augenärzte auch diesen Patienten zukünftig helfen können. Etwas Licht bringen heute schon Netzhautimplantate in das Leben bereits erblindeter Patienten zurück.

Zwei Implantate ermöglichen Seheindrücke

Im Spätstadium der Krankheit ermöglich zwei Netzhautchips den Patienten ein eingeschränktes Sehvermögen. Seit 2011 ist die Netzhautprothese Argus II der Firma Second Sight in Deutschland zugelassen, bei der eine in einer Brille integrierte Kamera Lichtsignale an einen auf die Netzhaut implantierten Chip weiterleitet.

Jüngst erhielt nun auch der Alpha IMS-Mikrochip der Reutlinger Retina Implant AG von den gesetzlichen Krankenkassen den NUB-Status (Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode) mit der Folge, dass die Krankenkassen die Kosten für die Therapie an ausgewählten Kliniken übernehmen. Dieser Mikrochip wird operativ unter die Netzhaut gebracht und nutzt direkt das ins Auge einfallende Licht. "Ich bin sehr glücklich, dass sich diese führenden Augenkliniken mit den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland verständigt haben, um den Alpha IMS-Mikrochip für Patienten verfügbar zu machen", sagte Franz Badura, Vorstandsvorsitzender der PRO RETINA Deutschland e. V. "Die Finanzierung von NUB-Innovationen ist wichtig, um unter sorgfältig kontrollierten Bedingungen neue Therapien einzuführen, damit Patienten sicher therapiert werden können."

Hoffnung auf Stammzellen

Noch im experimentellen Stadium sind Therapien mit Stammzellen. Das sind noch nicht voll entwickelte Zellen, die über das Potenzial verfügen, sich zu vermehren und zu verschiedenen Geweben und Organen auszudifferenzieren. Insbesondere richtet sich die Hoffnung auf so genannte adulte Stammzellen, die aus Organ- und Gewebeproben erwachsener Menschen isoliert werden können. Gelingt es, diese Stammzellen zu intakten Lichtsinneszellen weiterzuentwickeln, können diese ins Auge implantiert werden, um dort die abgestorbenen Netzhautzellen zu ersetzen. Noch ist allerdings nicht absehbar, wann diese Therapieform Patienten mit Retinitis pigmentosa vor der Erblindung bewahren wird.

Chancen der Gentherapie

Ein dritter Ansatz zielt darauf ab, bei Vorliegen eines Gendefektes Kopien des gesunden Gens in die betroffenen Zellen einzuschleusen. So ist es gelungen, bei einigen Patienten mit der seltenen Netzhauterkrankung Lebersche Kongenitale Amaurose - in Deutschland leiden daran schätzungsweise 2000 Menschen - gesunde Kopien des Gens RPE 65 in die Netzhautzellen einzuschleusen und damit die Sehfunktion zu verbessern. Diese korrektive Form der Gentherapie - die bisher noch nicht allgemein zugelassen ist und weiter erforscht wird - kann ein Segen für Patienten sein, für deren Krankheit nur wenige Gendefekte verantwortlich sind. Für Augenkrankheiten, an deren Krankheitsprozess viele verschiedene Gene und weitere Risikofaktoren beteiligt sind, bietet die korrektive Gentherapie jedoch keinen Lösungsansatz.

Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober 2014

"Gute Aussichten" - so heißt das Thema der diesjährigen Woche des Sehens unter der Schirmherrschaft der Fernsehjournalistin Gundula Gause. Blindheit zu verstehen und zu verhüten sind die Ziele der bundesweiten Kampagne. Getragen wird sie von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Seit 2002 informiert die Aktionswoche mit Hilfe vielfältiger Veranstaltungen über die Bedeutung guten Sehvermögens und klärt über die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation sehbehinderter und blinder Menschen in Deutschland und den Entwicklungsländern auf. Unterstützt wird sie dabei von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG. Weitere Informationen zur Aktionswoche unter www.woche-des-sehens.de.

Pressekontakt:

Dr. Georg Eckert
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands
Pressesprecher
Tersteegenstraße 12
40474 Düsseldorf
E-Mail: presse@augeninfo.de
www.augeninfo.de

Kontakt zur Selbsthilfevereinigung von Menschen mit
Netzhautdegenerationen:
PRO RETINA Deutschland e.V.
Vaalser Str. 108
52074 Aachen
E-Mail: info@pro-retina.de
www.pro-retina.de

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