Leipziger Volkszeitung

LVZ: Kristina Schröder (CDU): Opfer aus DDR-Jugendwerkhöfen werden zum Runden Tisch Kindesmissbrauch eingeladen

Leipzig (ots) - Leipzig. Frauen und Männer, denen in DDR-Jugendwerkhöfen seelisches und körperliches Leid zugefügt wurde, finden nun doch Gehör am Runden Tisch Kindesmissbrauch. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will nach Informationen der Leipziger Volkszeitung (Samstagausgabe) unter anderem Gabriele Beyler einladen, die Leiterin der Gedenkstätte im ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. "Das Thema Jugendwerkhöfe gehört mit auf die Agenda", sagte Schröder gegenüber der LVZ. "Es wäre fatal, wenn der Eindruck entstehen würde, es gäbe Opfer erster und zweiter Klasse."

Die Leiterin der Gedenkstätte im sächsischen Torgau, Gabriele Beyler, soll sowohl zur Arbeitgruppe als auch zum Opfer-Hearing eingeladen werden. "Sie ist als Vorsitzende des Vereins der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau prädestiniert an der Aufarbeitung der dortigen Vorkommnisse mitzuwirken", hieß es gestern im Familienministerium. Zusätzlich werden zur Anhörung weitere Opfer aus DDR-Jugendwerkhöfen an den Runden Tisch geladen. Wer dies sein wird, steht momentan noch nicht fest.

Der sächsische CDU-Abgeordente Manfred Kolbe, in dessen Wahlkreis Torgau liegt, hatte in der Vergangenheit kritisiert, dass generell keine Opfer eingeladen worden seien. "Man kann deshalb nur erfreut sein, dass nun doch Vertreter der Betroffenen am Runden Tisch sitzen", sagte er der Leipziger Volkszeitung. Speziell in Torgau habe es mit die schwersten Missbrauchsfälle gegeben. "Bis hin zu Vergewaltigung durch die Anstaltsleitung in Dunkelzellen." Seit 1964 Jahren waren über 4000 Jugendliche zur so genannten "Umerziehung" in den gefängnisähnlichen Jugendwerkhof eingewiesen worden - ohne Gerichtsurteil. "Diese Jungen und Mädchen hatten sich nicht strafbar gemacht, sie waren einfach in den Augen des DDR-Regimes auffällig", sagte Kolbe.

Viele Opfer meldeten sich bei Gabriele Beyler und Manfred Kolbe, nachdem diese im Rahmen der aktuellen Missbrauchs-Debatte einen Aufruf veröffentlicht hatten. Darin forderten sie Betroffene auf, über traumatische Erfahrungen in DDR-Heimen zu berichten.

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