LVZ: Dresdner Bischof Reinelt: Gewaltige Panne im Vatikan, die so nicht passieren durfte
Leipzig (ots) - Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen Joachim Reinelt hat sich der Kritik verschiedener deutscher Bischöfe an der Papst-Entscheidung zur Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson angeschlossen. Reinelt sagte der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwoch-Ausgabe): "Die Exkommunikation aufzuheben war eine Geste guten Willens des Papstes gegenüber einer kleinen Gruppierung. Dass unter den Bischöfen, denen diese Geste zugute kam, allerdings auch ein Holocaust-Leugner war, kann sicher nur als gewaltige Panne gesehen werden, die so nicht hätte passieren dürfen." Hier seien sicher "mehrere Faktoren unglücklich zusammengekommen".
Reinelt kritisiert dabei auch das Management im Umfeld des Papstes. "Der Vatikan ist eine Organisation mit vielen Abteilungen. Mir scheint, dass einzelne Entscheidungen noch eine deutlich bessere Vorbereitung und Abstimmung vertragen könnten, ehe sie dem Papst vorgelegt werden."
Klar sei jedoch auch, dass die umstrittene konservative Piusbruderschaft durch die Aufhebung der Exkommunikation ihrer Bischöfe noch nicht zu einem Teil der katholischen Kirche geworden. "Papst Benedikt XVI. hat deutlich gesagt, dass nun deutliche Signale der Traditionalisten-Bischöfe folgen müssen, wenn sie sich völlig auf den Boden der katholischen Kirche stellen möchten. Dazu gehört auch die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils inklusive seiner Aussöhnung mit dem Judentum", so Reinelt.
Zu den Antisemitismus-Vorwürfen sagte der Dresdner Bischof, Benedikt selbst sei über jeden Zweifel an seiner Position in dieser Frage erhaben. "Schon mehrfach hat er die hohe Bedeutung der Aussöhnung mit dem Judentum betont, die bereits sein Vorgänger Johannes Paul II. maßgeblich begonnen hatte. Auch nachdem es nun zu den erwähnten Irritationen kam, hat sich der Heilige Vater dazu geäußert. Es wäre nur wünschenswert, wenn diese Aussagen ebenfalls Beachtung finden würden."
Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion
Telefon: 0341/218 11558

