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LVZ: Autoindustrie braucht Planungssicherheit

    Leipzig (ots) - Von Thilo Boss Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und was die Abwrackprämie anbelangt, sieht es sogar danach aus, dass aus Hoffnung Zuversicht und aus der Zuversicht schließlich eine freudige Nachricht werden könnte. Denn schon kurz nach dem Start der Prämie melden die Autohäuser regen Zulauf. Viele Deutsche wollen sich den Bonus sichern und zeigen sich trotz Wirtschaftskrise in Kauflaune. Für die gebeutelte Branche sind das nach den schweren letzten Monaten wieder erstmals positive Perspektiven. Aber eben nur Perspektiven. Zahlen liegen noch nicht vor. Heute weiß noch niemand, welcher deutsche Hersteller von der Staatsspritze in welchem Umfang profitieren wird. Eine erste Bilanz macht frühestens zur Halbzeit Mitte des Jahres Sinn. Bis dahin ist alles andere Kaffeesatzleserei oder Zweckoptimismus. Vielleicht mit Ausnahme der Prognose, wie die Studie von Ernst & Young zeigt, dass vor allem die Kleinwagenproduzenten von der Prämie profitieren werden. Das deckt sich auch mit der Erwartung der deutschen Automobilbauer und den Erfahrungen aus Frankreich. Die Premiumhersteller Mercedes, BMW und Porsche rechnen mit einem deutlich geringeren Auftragsschub als die Volumenproduzenten VW und Opel. Was auch auf der Hand liegt. 2500 Euro sind zwar ein schöner Batzen Geld. Doch wer sich einen teuren Wagen kauft, für den ist die Staatsknete höchstens ein Anreiz, den ohnehin geplanten Kauf nur vorzuziehen. Ja, im ungünstigsten Fall könnten ausländische Produzenten von dem aus Steuergeldern geschnürten 1,5 Milliarden Euro schweren Hilfspaket sogar mehr als die heimischen Hersteller profitieren. Das wäre paradox. Überhaupt ist für BMW und Mercedes das Dienstwagengeschäft weit wichtiger als die private Nachfrage. Zwischen 60 und 70 Prozent des Absatzes im Inland macht es aus. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Neuregelung der KFZ-Steuer größere Fahrzeuge nicht schlechter stellt als kleinere. Sonst würde das ganze Hilfsprogramm für die deutsche Automobilindustrie ad absurdum geführt. Immerhin geht es bei der ganzen Aktion aus den Konjunkturpaketen darum, wichtige Arbeitsplätze in der Schlüsselbranche zu sichern, weil die ganze Weltwirtschaft in einer Rezession steckt, sich nicht das Kaufverhalten über Nacht drastisch geändert hat und die Deutschen mit ihrer Modellpolitik gescheitert sind. Unabhängig davon braucht der Kunde aber eins: Planungssicherheit, die die Bundesregierung bei der Neuregelung der KFZ-Steuer geben muss. Auch das ist ein Stück Konjunkturprogramm.

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