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LVZ: Die Leipziger Volkszeitung zum Gasstreit -

    Leipzig (ots) - Von Kostas Kipuros. Na bitte, geht doch: Etwas drohen, ein bisschen erpressen, kräftig feilschen und deutlich am Gashahn drehen, und siehe da - die Kiewer Großprotze sind ja doch kleiner, als die Schatten, die sie werfen. Die Unterschrift unter das Abkommen zur Überwachung des Gastransits durch die Ukraine hat das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Nachbarn Russland und der Ukraine wieder gerade gerückt: Moskau sitzt am längeren Hebel. Ach ja? Welch' Überraschung! Dass Kiew trotz des voraussehbaren Ausgangs den Gasstreit riskierte, zeugt von mangelndem Realitätssinn. Die Überlegung, europäischer Ärger über kalte Wohnungen würde sich automatisch in politischen Druck gegen Russland niederschlagen, war aus ukrainischer Sicht gewiss verlockend. Leichter lässt sich Russland gar nicht als unzuverlässiger Partner vorführen. Nicht zuletzt übrigens bei der eigenen russischstämmigen Bevölkerung, die auch vom Gasstopp betroffen war. Alles falsch. Russland handelt zwar wie jede Energiemacht egoistisch bis amoralisch, aber nie dumm. Gerade angesichts der globalen Krise interessiert Moskau vor allem der ungestörte Dollar- und Eurofluss aus dem florierenden Gasverkauf. Sich dieses Geschäft selber mit Unglaubwürdigkeit kaputt zu machen, grenzte an Autoaggression. Die Europäische Union war deshalb gut beraten, das Kiewer Machtspiel - Russland als Täter, die Ukraine als Opfer - nicht mitzuspielen. Schließlich nimmt die Kiewer Regierung auf das Staatsunternehmen Naftgaz genauso Einfluss wie der Kreml auf Gazprom. In Brüssel gilt es als offenes Geheimnis, dass der Gasstreit von Kiew auch deshalb geführt wurde, um eine Positionierung von EU und Nato gegen Russland zu erwirken. Das erklärt auch die harsche russische Reaktion. Solange es in dieser Frage keine Einigung gibt, ist der nächste Gasstreit nur eine Frage der Zeit.

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