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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Nahost

    Leipzig (ots) - Einen Tag nach Beginn der israelischen Bodenoffensive lässt die Hamas im Gazastreifen noch keine Müdigkeit erkennen. Rund 30-mal gingen die Sirenen in den israelischen Grenzortschaften gestern los und warnten die Bevölkerung vor Raketenangriffen. Hörfunk- und Fernsehstationen, die von der Hamas betrieben werden, meldeten, zwei israelische Soldaten seien angeblich von der Hamas entführt worden seien. Die Armee erklärte indes, es handele sich bei der Nachricht lediglich um eine "psychologische Kriegshandlung" der Extremisten. "Wir suchen den Frieden und haben uns lange zurückgehalten", versicherte Verteidigungsminister Ehud Barak. Jetzt sei die Zeit gekommen, um zu tun, "was getan werden muss". Das erklärte Ziel ist, die Raketengefahr auf die israelischen Ortschaften in der Umgebung des Gazastreifens einzudämmen. Was bislang passiert, ist ähnlich wie bei früheren Militäroperationen, genau das Gegenteil: Die Hamas intensiviert ihre Angriffe, schießt mit immer wirkungsvolleren Raketen, die eine deutlich größere Reichweite als die hausgefertigten Kassams haben und die inzwischen schon bis zur viertgrößten Stadt Israels Beerschewa reichen. Außerdem drohen die Islamisten damit, Raketen mit einer Reichweite von 60 Kilometern bis nach Tel Aviv zu schicken. Insgesamt überwiegt noch Zuversicht bei den Israelis. Mehr als die Hälfte hatte zu Beginn der Operation ihren Segen gegeben. Die Stimmung mag sich ändern, wenn der Krieg unter den Soldaten mehr Opfer fordert, ohne offensichtliche Ergebnisse zu erzielen. Zunächst soll die militärische Infrastruktur in den Regionen zerstört werden, aus denen die Raketen auf Israel abgeschossen werden. Damit wäre zumindest vorübergehend eine Beruhigung für die umliegenden israelischen Ortschaften erreicht. Anders als beim Libanonkrieg steckte Barak die Ziele niedrig. Läuft es weiter so wie bisher, dann kann der Chef der Arbeitspartei für die Mitte Februar geplanten Wahlen punkten. Entscheidend wird sein, den rechten Zeitpunkt für ein Ende der Invasion abzupassen, um anschließend mit internationaler und vor allem arabischer Hilfe einen diplomatischen Prozess einzuleiten. Gelingt das nicht, droht eine Wiederholung der Ereignisse im Libanon, wo die Hisbollah in kürzester Zeit ihre im jüngsten Krieg zerstörten Waffenlager wieder aufgefüllt hatte.

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