Leipziger Volkszeitung

LVZ: Die Leipziger Volkszeitung zu Jahresausblick/Neujahrsansprachen -

    Leipzig (ots) - Von Bernd Hilder. Selten war eine Vorhersage so leicht: 2009 wird wegen der Weltfinanzkrise und deren gravierenden Auswirkungen auf die allgemeine Wirtschaft schlechter als 2008. Auch friedlicher wird die Welt nicht, wie der Krieg zwischen Israel und der Hamas oder die sich aufschaukelnden Rempeleien der Atommächte Indien und Pakistan beweisen. Im Schatten der globalen Finanz-Unordnung werden selbst Friedensmissionen schwieriger und der Aufbau weltweiter Demokratie oder die Zügelung von Tod bringenden Diktatoren wie Robert Mugabe in Zimbabwe aus dem Fokus geraten. Im neuen Jahr werden sich die globalen politischen Gewichte und Schwerpunkte spürbar verändern müssen: Besonders in den westlichen Industrienationen mit halbwegs intakter Umwelt sollte der sehr teure Ausbau von Umweltgesetzen der Sicherung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze als wichtigste politische Aufgabe weichen. Trotz knapp abgewendeter Bankenpleiten und einer taumelnden Auto- und Chipindustrie sind die Deutschen bislang von der Krise weitgehend unberührt. Wie zum Trotz ließen sie sich die Weihnachtslaune nicht verderben. Optimistische Konsumlaune als Rezept gegen den Niedergang. Die bisherige Gelassenheit der Deutschen mag daran liegen, dass die Berliner Koalition beim Krisenmanagement zwar einige Chancen verpasste, alles in allem aber ruhiger und solider handelte als andere Regierungen. Trotz unverantwortlich hoher öffentlicher Verschuldung ist sie bei uns doch niedriger als in den USA, Frankreich oder Großbritannien. Das gibt Spielraum in der längst nicht überwundenen Krise, darf jedoch nicht als politische Beruhigungspille missverstanden werden. Mancher in der Autoindustrie geht davon aus, dass erst in fünf Jahren wieder die Verkaufszahlen von 2007 erreicht werden. Sollten bald noch mehr Unternehmen in Schwierigkeiten geraten und die negativen Meldungen eintreffen, die Kanzlerin Merkel vorhergesagt hat, könnte demonstrativer Optimismus schnell in eine abwärts gerichtete Stimmungsspirale münden. Schon heute fragen sich viele: Ist mein Arbeitsplatz gefährdet? Sind meine Ersparnisse fürs Alter sicher angelegt? Wann kann ich den Banken wieder trauen? Verschlechtern sich nun die Zukunftschancen meiner Kinder? Und die für die Stabilität der Bundesrepublik entscheidende Frage: Ist es am Ende wieder die arbeitende und Steuern zahlende Mittelschicht, die für das Versagen hemmungsloser Spekulanten die Zeche zahlen muss? Die Krise hat die Rolle der für die funktionierenden Rahmenbedingungen zuständigen Politiker aufgewertet. Gleichzeitig steht die Klasse der Gewählten unter Generalverdacht, im Parteiengezänk und vor lauter Entscheidungsschwäche nichts Anständiges hinzubekommen. So wird die Krise zur Chance, das Vertrauen zwischen Politik und Bürgern wieder herzustellen - wenn die Regierenden mehr richtig als falsch machen. Überhaupt: 2009 wird die Suche nach neuem Vertrauen in unser Wirtschafts- und Sozialsystem zur größten Herausforderung. Ergebnis offen. Keiner weiß, wie lange die Krise dauern wird. Aber die Möglichkeiten der Deutschen, sie zu meistern, sind wegen ihrer Erfindungs- und Organisationskraft sowie ihrem Arbeitswillen besser als die vieler anderer. Es kommt auf die Leistungsbereitschaft jedes Einzelnen an. Nur an den Staat zu glauben oder auf den neuen US-Präsidenten Obama zu warten, den manche als Wunderheiler bejubeln, wäre ein großer Irrtum.

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