LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Nahost
Leipzig (ots) - Wenn sich über kurz oder lang der Bombenrauch über Gaza legt, die Schwaden über den Trümmerhaufen der zerschossenen Häuser verziehen und Israelis sowie Palästinenser ihre jeweilige Kosten-Nutzen-Rechnung machen, werden sie zu einem ebenso simplen wie erschreckenden Ergebnis kommen: Es war alles umsonst - die Raketen auf Israel, die Bomben auf den Gazastreifen, die toten Palästinenser und die Machtdemonstration der israelischen Armee. Hamas wird es auch nach den israelischen Militärschlägen weiter geben und gleichzeitig der geschundenen Bevölkerung keine Perspektive bieten können. Israel bleibt die militärische Supermacht der Region und kann dennoch nicht das Ende des Raketenhagels garantieren. Hass, Rache und Vergeltung werden noch häufiger als Begründung für die eigene Politik herhalten. Seit die arabischen Staaten 1948 Israel in der Hoffnung auf seine Auslöschung mit Krieg überzogen, haben sämtliche Regierungen in Jerusalem auf jede Herausforderung stets militärisch geantwortet und dabei doch immer nur das gleiche Ergebnis erreicht: die Reproduktion des Konflikts auf einer höheren Stufenleiter der Eskalation. Man darf beiden Seiten unterstellen, die unheilvolle Wirkung dieser Spirale zu kennen. Warum aber setzen dann beide Seiten immer wieder darauf? Israel und Palästina sind Gefangene des Irrglaubens, die eigene Maximalposition sei die einzig akzeptable Lösung. Die Überzeugung, schon mit dem Gegner zu verhandeln, hieße, ihm nachzugeben, hat zur Unfähigkeit des Dialogs geführt. Statt ein kollektives Interesse am Frieden zu entwickeln, glauben die Hauptakteure der Region, dass sie mehr davon haben, sich einem Kompromiss zu verschließen. Deshalb gilt in Israel noch immer die Maxime von 1968, die lautet: Es gibt maximal eine palästinensische Autonomie mit einer Führung, die als politischer Subunternehmer Israels auftritt. Geändert hat sich inzwischen nur, dass dieses Gebilde jetzt Staat genannt wird. Für die Bevölkerung im Gazastreifen bleibt auch nach dem Abzug Israels ein elender Alltag, über den selbst in Details in Jerusalem entschieden wird. Den Zulauf, der Hamas dadurch erwächst, wird Israel aber selbst dann nicht stoppen, wenn es jede Polizeistation und das Haus jedes Funktionärs bombardiert. Aus dieser Unverhältnismäßigkeit der Mittel bezieht Hamas seine scheinbare Legitimation. Doch es ist reiner Zynismus, eine Reaktion zu provozieren und sie gleichzeitig zu beklagen. Die Toten, die die Bomben im Gazastreifen fordern, haben die Islamisten einkalkuliert, um als Verteidiger Palästinas aufzutreten. Diesen moralischen Anspruch hat Hamas nun vollends verwirkt.
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