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LVZ: zu Rezession/Wirtschaftsprognosen Kollektives Schwarzmalen der Konjunktur-Gurus

    Leipzig (ots) - Von André Böhmer Das Weihnachtsgeschäft brummt bis zum letzten Tag, in Sachsen und Thüringen melden Weihnachtsmärkte steigende Besucherzahlen. Gut gelaunte Verbraucher freuen sich auf das Fest des Jahres, bescheren dem Handel überdurchschnittliche Umsätze und zeigen sich unbeeindruckt von täglichen Hiobsbotschaften über den weltweiten Konjunktureinbruch. Auf der nach unten offenen Negativ-Skala hat das Institut für Weltwirtschaft jetzt eine neue Duftmarke gesetzt. Die Experten erwarten eine Schrumpfung der Wirtschaft um 2,7 Prozent. Mehr Pessimismus geht eigentlich nicht mehr. Die Kieler Forscher stehen damit ganz vorn in der Reihe der Kassandra-Rufer. Dabei ist bislang nur eines wirklich sicher:Patient Deutschland wird eine Konjunkturgrippe heimsuchen. Doch noch immer weiß niemand, wie gefährlich sie tatsächlich werden wird. Vergleichbare Phasen hat es in der Weltwirtschaft noch nie gegeben. Da wirkt es ziemlich skurril, dass sich über die Folgen schon alle einig sind - vom renommierten Wirtschaftsforscher bis zum politischen Hinterbänkler. Die Prophezeiungen sind düster: Der Patient wird auf der Intensivstation landen und - falls überhaupt - nur per milliardenschwerer Konjunkturspritze überleben. Wenn der Anlass nicht so ernst wäre, könnte man über die kollektive Schwarzmalerei der Konjunktur-Gurus fast ein wenig amüsiert sein. Zumal die größten Pessimisten unter den Experten vor sechs Monaten noch die größten Optimisten waren. Sie hatten die wirtschaftliche Zukunft des Landes in den schillerndsten Farben ausgemalt. Das Haltbarkeitsdatum ihrer Prognosen wurde dann allerdings durch den Kollaps der Banken und der Autokrise so schnell ad absurdum geführt, dass sich jetzt nicht wenige fragen, inwiefern den Instituten überhaupt noch über den Weg getraut werden kann. Die trotzige Reaktion der Verbraucher auf die Kassandra-Rufer beweist dann auch, dass nicht alle so pessimistisch auf 2009 sehen wollen, wie ihnen öffentlich empfohlen wird. Sicher, daraus lässt sich noch lange keine sorgenfreie Zukunft ableiten. Ein bisschen Gelassenheit und Optimismus können aber in diesen aufgeregten Zeiten nicht schaden. Das gilt auch für Politiker. Es wirkt peinlich, wenn sich im Chor der Alleswisser nun auch noch der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (TSG) zu Wort meldet. Er fordert die Zwangsanleihe für Reiche. Chancenlos gegen seinen CDU-Konkurrenten Koch, will TSG wenigstens seine Vorgängerin Ypsilanti links überholen. Da nutzt einer die aktuelle Verunsicherung plump für seine landespolitischen Ziele. Die Ablehnung in Berlin ist konsequent, aber sie fällt noch viel zu freundlich aus.

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