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LVZ: Leipziger Volkszeitung zum Terror in Indien

    Leipzig (ots) - Von Kostas KipurosKrieg hilft nichtgegen TerrorWer die Orte, in denen seit dem 11. September 2001 Terroristen zugeschlagen haben, mit einem Punkt auf der Landkarte versieht, wird über die immer größer werdende Dichte des Netzwerkes der Gewalt erschrecken: Von Madrid über Casablanca und London, Indonesien, Irak, Afghanistan, Pakistan, Kenia, Ägypten bis - nun erneut - Indien zieht sich inzwischen die Blutspur der Attentäter. Die Unerbittlichkeit und Globalität der Täter lässt vermuten, dass hinter den Anschlägen ein lenkendes Hirn und ein befehlendes Gremium stehen, eine Welt-Terrorzentrale also. Tatsächlich reagierte Präsident Bush mit dem Krieg gegen den Terrorismus, als ob sich die USA im Kriegszustand mit einem klar definierten Gegner - einem Feindstaat - befänden. Was Bush dabei übersah oder ignorierte: Der "moderne" Terrorismus markiert das Ende einer Epoche, die 1648 mit dem sogenannten Westfälischen Frieden begann. Das damalige Kriegsziel war einfach: Sieg, was hieß Zerstörung der Existenz des Gegners, seines Willens und seiner Verteidigungsfähigkeit. Diese Art Kriegsführung gegen den Terrorismus ist offensichtlich gescheitert, denn die eigentliche Idee dahinter - dem Gegner nicht nur Niederlagen zu bereiten, sondern ihn dazu zu bringen, keine Kriege mehr führen zu können - ist ebenfalls gescheitert. Obwohl im Kampf gegen den Terrorismus außer Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen fast das komplette militärische Arsenal zum Einsatz kam, konnten weder die Anschläge im Irak noch in Afghanistan oder jetzt in Indien verhindert werden. Die eigentliche Bedrohung für die Weltordnung entsteht heute nicht mehr aus der Rivalität zwischen großen Mächten, sondern aus der Unfähigkeit (zumeist) schwacher Staaten, Kontrolle über explosive Regionen auszuüben. Das gilt für Pakistan, wo die Drahtzieher der Gewaltserien von Indien vermutet werden dürften, ebenso wie für Somalia, das eine Bastion der Seepiraterie wurde, nachdem der Staat faktisch aufhörte zu existieren, oder Palästina, wo Extremisten das Machtvakuum für sich ausnutzen. Nicht zu vergessen: Dem Aufstieg von El Kaida ging der Niedergang Afghanistans voraus. Europa und der neue US-Präsident Barack Obama stehen damit noch vor dessen Amtsantritt vor einer riesigen Herausforderung: Wie sieht in Zukunft eine angemessene Reaktion auf Terror und Gewalt aus? So viel scheint sicher: Wenn es das Ziel von Terroristen ist, legitime Autorität zu zerstören, muss es das Ziel von Demokratien und internationalen Gremien sein, Autorität und zivile Ordnung zu stärken. @k.kipuros@lvz.de

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