Leipziger Volkszeitung

LVZ: zu: Rettungspaket für Opel Staatshilfen mit Schneeballeffekt

Leipzig (ots) - Von Thilo Bosss Es klingt schon ein wenig paradox: Während das Opel-Management in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel über ein Rettungspaket verhandelt, wird der Mittelklassewagen Insignia zum Auto des Jahres gekürt. So schlecht also kann die Palette der Rüsselsheimer gar nicht sein, dass sie nur wegen ihrer verfehlten Modellpolitik tief in die Krise gefahren sind. Ist sie auch nicht. Nur, dass Opel gleich in doppelter Hinsicht in die Knie gezwungen wird. Der vor der Pleite stehende Mutterkonzern GM zieht die deutsche Tochter tief in den Strudel hinein. Und die weltweite Wirtschaftsflaute kommt praktisch als i-Tüpfelchen obendrauf. Kurzum, der Traditionskonzern steckt in einer wesentlich verzwickteren Lage als seine Konkurrenten, die auch unter dramatischen Absatzrückgängen stöhnen. Der Fall Opel wird aber nicht der letzte sein, mit dem sich die Bundesregierung in den kommenden Monaten beschäftigen muss. Die gesamte Welt steht vor einer tiefen Rezession, die sich weiter verschärfen wird. Bis Ford fällt, ist es nur eine Frage der Zeit. Bei Chrysler sieht es auch düster aus. Selbst die deutschen und japanischen Autohersteller stehen vor einem sehr schweren Jahr. In Industrienationen wie den USA, wo jeder zehnte Arbeitsplatz vom Auto abhängt, und Deutschland, wo es jeder siebte ist, sind das verheerende Vorzeichen. Die Autokrise kann einen Sog auslösen, in den andere Branchen unweigerlich mit hineingeraten. So wie es bei der Immobilienkrise darauf ankam, den Finanzsektor zu stabilisieren, so haben eben andere Schlüsselindustrien eine ähnliche Bedeutung für die Realwirtschaft. Das wiederum zeigt das ganze Dilemma. Fängt der Staat einmal mit Stützungsaktionen an, wird ein Schneeball-Effekt in Gang gesetzt, dem sich schon wegen der daraus entstehenden Wettbewerbsverzerrungen kein anderes Land entziehen kann. Italien müsste demnach Fiat unter die Arme greifen, Frankreich etwa Renault und Deutschland natürlich BMW, Mercedes oder VW. Ja selbst Porsche hätte nach diesem Prinzip einen berechtigten Anspruch auf Hilfen. Doch der Fall Opel hat eine besondere Qualität: Detroit hängt am Rüsselsheimer Tropf, was die Kehrseite der Globalisierung zeigt. Nationale Maßnahmen haben inzwischen weltweite Wirkungen. Und deswegen müssen wie in der Finanzkrise die Regierungen realwirtschaftliche Hilfen abstimmen. Pressekontakt: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558 Original-Content von: Leipziger Volkszeitung, übermittelt durch news aktuell

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