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LVZ: Der politische Renten-Wille fehlt

    Leipzig (ots) - Von Andreas Debski Den Ost-Rentnern geht es gut. Das sagt zumindest die Statistik. Verglichen mit den Ruheständlern im Westen bekommen die Rentner hier zu Lande - durchschnittlich - jeden Monat einiges mehr aus der gesetzlichen Versicherung überwiesen. Da scheint es nur all zu verständlich, dass sich die gesamtdeutschen Entscheidungsträger gegen eine Angleichung der Altersbezüge in Ost und West stemmen. Doch, wie gesagt, der Schein trügt. Natürlich lässt sich argumentieren, dass Ost-Rentner durch den Ausgleichsfaktor übervorteilt werden, die Lohnentwicklung hinterher hinkt und gesamtgesellschaftlich nicht wider die ökonomische Vernunft gehandelt werden kann. An den Fakten ändert das allerdings nichts. Während sich die Altersbezüge in den neuen Ländern meist auf die gesetzlichen Kassen beschränken, können sich viele Ruheständler im alten Bundesgebiet auf mehrere Einkommenssäulen stützen - auf gesetzliche Leistungen, Betriebsrenten, private Vorsorge. Und geschiedenen Frauen steht ein Versorgungsausgleich zu. Unterm Strich erhalten viele Ost-Rentner, die nicht selten längere Lebensarbeitszeiten nachweisen können, deshalb weniger als die im Westen. Es ist inzwischen Usus, immer wieder die Angleichung der gesetzlichen Altersbezüge infrage zu stellen. Der entscheidene Punkt ist dabei der Ausgleichsfaktor, mit dessen Hilfe Ost- und West-Löhne aufgerechnet werden. Denn wird dieser mit der Angleichung gestrichen, wie jetzt prophezeit, würden die meisten Ost-Rentner schlechter dastehen als bisher. Doch das Vertrösten auf die Zeit nach 2019 hilft keinem Ruheständler - den Menschen läuft die Zeit davon. Damit die Einheit für die Rentner vollendet wird, muss es also auch weiterhin den Ausgleichsfaktor geben. Das wäre nur recht - wenn auch nicht billig. Aber dafür mangelt es am politischen Willen.

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