Leipziger Volkszeitung

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur Autoindustrie

    Leipzig (ots) - Des Deutschen liebstes Kind wird zunehmend zum Problemfall. Immer weniger Autos werden hierzulande verkauft. Allein im dritten Quartal rutschten die Zulassungszahlen um 3,3 Prozent - das sind 25000 Wagen - unter die des Vorjahres. Das will etwas heißen, denn 2007 verdarb die angehobene Mehrwertsteuer bereits die automobile Kauflust der Bundesbürger. Und es geht weiter bergab. Schrill läuten daher die Alarmglocken bei den Herstellern, viele ziehen die Reißleine und drosseln ihre Produktion. Davon sind sächsische und thüringische Standorte nicht ausgenommen. Leider ist zu befürchten, dass in der Folge Arbeitsplätze gestrichen werden. Das ist bitter. Um die Krise zu überstehen, ist radikales Umsteuern in der Branche angesagt. Autos müssen bezahlbarer werden. Generell explodierende Lebenshaltungskosten schüren die Angst, diese nicht mehr schultern zu können. Potenzielle Kunden legen daher den Wunsch nach einer neuen Karosse rasch aufs Eis. Was Wunder, dass inzwischen das Durchschnittsalter eines Autos auf deutschen Straßen bei 8,5 Jahren liegt, aber vor nicht allzu langer Zeit noch sechs bis sieben Jahre betragen hatte. Kostengünstige Mobile rollen allerdings nicht zum Nulltarif von den Bändern. Moderne, Sprit sparende Antriebe zu entwickeln, verlangt von den Firmen, zunächst einmal viel Geld in die Hand zu nehmen. Kooperationen können hilfreich sein, die Aufwendungen zu senken und die Risiken zu verteilen. Zugleich müssen die Hersteller ihre Modellpaletten überdenken. Preiswerte Wagen haben Konjunktur. Wie sonst ist zu erklären, dass Renault die Verkaufszahlen der in Rumänien montierten 7500 Euro teuren Marke Dacia im ersten Halbjahr um 13,3 Prozent steigerte, mit der gesamten Flotte allerdings nur 4,3 Prozent zulegte. Der indische Tata-Konzern bastelt am Nano, der nur 1700 Euro kosten soll. Fiat plant ebenfalls ein Billig-Auto auf der Grundlage des Pandas. Das zeigt, wohin die Reise geht. Schließlich werden die Hersteller um verstärkte Rabattaktionen nicht herumkommen. Trotz aller Produktionskürzungen - die Autos auf den Höfen der Konzerne müssen auch erst einmal an die Frau oder den Mann gebracht werden. Sie können sich also auf weitere Nachlässe freuen. Selbst wenn das manche Vertreter der Autoindustrie noch bestreiten. Verkaufsaktionen wie verzögerte Zahlung - also heute das Fahrzeug abholen, aber erst in ein paar Monaten die Rechnung begleichen - ist eine weitere Möglichkeit der Absatzförderung. Nicht zuletzt reizt den einen oder anderen Verbraucher, sich einen neuen fahrbaren Untersatz anzuschaffen, wenn dies finanziell gefördert wird. Überlegungen der Politik, die KFZ-Steuer für umweltschonende Autos zeitweise zu erlassen, ist ein Schritt in diese Richtung. Trotz alledem: Wenn die Wirtschaft in eine kräftige Rezession abrutscht und die Erwerbslosenzahlen hochschnellen, wird die Lage an der Autofront noch härter.

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