Leipziger Volkszeitung

LVZ: Leipziger Volkszeitung zum Bildungsgipfel

Leipzig (ots) - Von Anita KeckeGroße Steine auf dem Weg zum BildungsgipfelDie Erwartungen an den heutigen Bildungsgipfel in Dresden lesen sich wie eine ellenlange Wunschliste an den Weihnachtsmann. Sie zeigen aber auch, wie weit es noch ist bis zur Bildungsrepublik Deutschland, die Kanzlerin Angela Merkel wahlkampfträchtig ausgerufen hat. Deutschland steht im Vergleich der Industrieländer sowohl bei den Bildungsausgaben als auch bei den Schulabbrechern und der Chancengleichheit nicht gut da. Als Folgen daraus zeichnen sich schon jetzt Fachkräftemangel und eine ausgedünnte Leistungselite ab. Das schadet nicht nur dem Kulturniveau des Volkes, sondern auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Die meisten der jetzt erhobenen Forderungen sind nicht neu. Vielmehr beschreiben sie seit langem, was geleistet werden muss, um dem Bildungssystem mehr Sprungkraft zu verleihen. Die Palette reicht von qualifizierter frühkindlicher Bildung über mehr Eigenständigkeit der Schulen, bessere Durchlässigkeit, mehr Ganztagsbetreuung, Einheitlichkeit bei den Abschlüssen, Hochschulzugang auch ohne Abitur bis zu effektiveren Studienbedingungen. Doch bisher ist vieles immer wieder am fehlenden Geld, am Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern und unter den Ländern sowie an alten ideologischen Grabenkämpfen gescheitert. Nur wer an den Weihnachtsmann glaubt, kann daher erwarten, dass Angela Merkel und die Ministerpräsidenten heute diese großen Steine beiseite räumen und die Lösung aller Bildungsprobleme ausrufen. Aber sie haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, mehr zu bieten als eine Showveranstaltung. Nötig ist eine nationale Kraftanstrengung von Bund, Ländern und auch der Wirtschaft, um wirklich spitzenmäßige Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen anbieten zu können. Gerade die Investitionen in das Zukunftsthema Bildung dürfen nicht mit dem Argument Finanzkrise begrenzt werden. Besonders wichtig ist zudem, dass die Länder nicht nur eifersüchtig ihr kleines Stück vom Bildungsflickenteppich verteidigen, sondern mehr kooperieren. Das von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angestrebte einheitliche mitteldeutsche Abitur weist da in die richtige Richtung. Es bleibt zu hoffen, dass das Dresdner Treffen hilft beim Weiten des Blickes auf das gesamte Bildungssystem und bei der Übernahme von Verantwortung. Gebraucht werden neue Konzepte und konkrete Ergebnisse, aber keine weiteren vagen Versprechungen. Sonst wäre das der Gipfel der Missachtung und Enttäuschung. @a.kecke@lvz.de Pressekontakt: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558 Original-Content von: Leipziger Volkszeitung, übermittelt durch news aktuell

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