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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Finanzkrise

Leipzig (ots) - Dass der Domino-Effekt ausgelöst werden konnte, war klar. Dass es aber so schnell gehen würde, ist bis zum Wochenende noch nicht absehbar gewesen. Mit der Fast-Pleite des im Dax notierten Baufinanzierers Hypo Real Estate (HRE), der Verstaatlichung der britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley und der Stützung des belgisch-niederländischen Finanzkonzerns Fortis ist der erste Stein nun wohl gefallen. Jetzt fragt sich nur, ob die anderen auch purzeln oder ob eine starke Hand das Spiel doch noch unterbrechen kann. Einiges spricht für Stabilität. Bislang haben alle Regierungen eingegriffen, wenn es hart auf hart kam. In den USA will George W. Bush ein Milliarden-Dollar-Hilfspaket für faule Kredite trotz Veto des Kongresses auf den Weg bringen. Die Notenbanken schießen in gewohnter Weise Liquidität in den Markt. Das sind die Voraussetzungen dafür, dass das Finanzsystem stabilisiert wird. Weil eben der Staat eingreift und den fallenden Domino-Stein stützt, damit der nächste stehen bleibt. Für die deutschen Landesbanken und die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die allerdings nur wenig von der Subprime-Krise betroffen sind, gilt dieses Prinzip ohnehin. Doch unbegrenzt können die einzelnen Nationalstaaten nicht lustig drauflos Persilscheine ausstellen. Schon deshalb, weil unklar ist, um welche Summen es eigentlich geht. Gerade daher ist eine schonungslose Offenlegung der Bilanzen erforderlich. Erst dann sind die Verluste kalkulierbar und akzeptabel, zumal die Zeche der Steuerzahler begleichen muss. Er zahlt für das Missmanagement privat geführter Konzerne. Im Fall HRE hat dies in Deutschland sogar eine präjudizierende Wirkung. Denn das Berliner Rettungspaket wirft auch die Frage nach der Wettbewerbsgleichheit auf: Warum sollte eine Deutsche oder eine Commerzbank auf faulen Krediten sitzen bleiben, wenn eine HRE, eine IKB oder eine WestLB von Vater Staat aufgefangen werden? Ordnungspolitisch jedenfalls hat die große Koalition in Berlin mit der massiven Stützungsaktion bei der HRE alle Grundsätze über Bord geworfen. Erst in der vergangenen Woche lehnten Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück Interventionen nach angelsächsichem Vorbild noch kategorisch ab und zeigten den USA den erhobenen Finger. Wie schnell sich solche Vorsätze doch in Luft auflösen, wenn es in einer global vernetzten Finanzwelt keine Alternativen gibt. Das traurige an der Sache ist aber, dass die Steuerzahler noch gar nicht abschätzen können, was auf sie zukommt. Die Hilfspakete werden nämlich die Inflationsraten in die Höhe treiben und so das Wachstum schwächen. Mit all den bekannten Folgen für den Arbeitsmarkt. Das ist die Bürde, die der Bürger zu tragen hat. Und darum ist es wichtig, dass die richtige Lehre gezogen und eine internationale Finanzaufsicht etabliert wird. Pressekontakt: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558 Original-Content von: Leipziger Volkszeitung, übermittelt durch news aktuell

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