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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Afghanistan

    Leipzig (ots) - Wieder kehrt ein hinterhältig ermordeter junger deutscher Soldat im Sarg in seine Heimat zurück und erinnert schmerzlich daran, mit welchen Gefahren und Opfern die Vorne-Verteidigung von Freiheit und Demokratie am fernen Hindukusch verbunden ist. Dass jetzt schon 27 Bundeswehr-Soldaten ihr Leben ließen - 12 davon durch terroristische Attentate - wird die in Umfragen geringe Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr vermutlich weiter sinken lassen und die Debatte über Sinn und Unsinn der westlichen Strategie im Kampf gegen islamistische Terroristen erneut anheizen. Gegen militärische Auslandseinsätze lässt sich leicht polemisieren. Die zynische Kalkulation der Terroristen ist dabei ganz simpel: Je mehr deutsche Soldaten in den kommenden Wochen sterben, umso schwerer fällt es der Bundesregierung, im Herbst im Bundestag eine Mehrheit für die Verlängerung des Isaf-Mandates zu bekommen. Doch vor einfachen Antworten sei gewarnt. Sich angesichts unübersehbarer militärischer Schwierigkeiten jetzt überhastet aus Afghanistan zurückzuziehen, würde bedeuten, das Land den Taliban zu überlassen - und es wieder zum sicheren Hafen für Terroristen zu machen. Ausgerechnet jetzt, da sich die Situation im Irak verbessert hat. Die bisherigen Todesopfer, von denen Briten, Kanadier und Amerikaner im umkämpften Süden Afghanistans erheblich mehr zu beklagen haben als die Deutschen im noch immer sichereren Norden, wären umsonst. Der außenpolitische Schaden würde die westlichen Länder für viele Jahre schwächen. Ein Abzug allein der deutschen Truppen würde Deutschland isolieren. Es gälte in Zukunft als unsicherer Kantonist. So gibt es zum Verbleib deutscher Soldaten in Afghanistan derzeit keine politisch vorteilhaftere Alternative. Dennoch müssen endlich offensichtliche Versäumnisse ausgeräumt werden. Der Druck auf den Schlüsselstaat Pakistan muss erhöht werden, damit er seine Grenze besser gegen Taliban und El-Kaida-Kämpfer sichert, die nach Afghanistan einsickern. Die Ausbildung von afghanischer Armee und Polizei verläuft noch immer schleppend. Möglichst schnell müssen die Afghanen den Anti-Terror--Kampf in eigene Hände nehmen. Und die Ausrüstung der deutschen Soldaten muss weiter verbessert, der Nachschub zügiger organisiert werden. Wer als Politiker Soldaten in den Krieg schickt, muss dafür auch hinreichend Geld bereitstellen. Oft wirkt die Bundeswehr noch zu überbürokratisiert und betulich für weit entfernte Auslandseinsätze. Ihr Umbau ist noch längst nicht beendet.

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