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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Obama

    Leipzig (ots) - John McCain hatte es schon im Februar gelassen formuliert: "Diese Wahl ist - wie jede andere - ein knallhartes und unkalkulierbares Geschäft." Nun trifft es die ehrgeizige Hillary Clinton, die schon fast die Möbelwagen fürs Weiße Haus bestellt hatte. Der Erfolg für Barack Obama ist zugleich eine Absage an das Washingtoner Establishment, mit dem die Clintons so eng verwoben sind. Die Aussage der früheren First Lady, dass sie durch ihre Kontakte und Erfahrungen vom ersten Tag an regieren könnte, bewirkte bei den Anhängern der Demokraten, die einen wirklichen Neuanfang herbeisehnen, eher das Gegenteil. Clinton hat den afro-amerikanischen Außenseiter aus Chicago unterschätzt, seine Fähigkeit, Gefühle zu transportieren, mit Emotionen Wellen zu schlagen. Und jetzt, wo die Niederlage der Senatorin im Duell der Demokraten feststeht, dominiert die Verbitterung der harten Kämpferin über den geplatzten Lebenstraum. Somit fehlt ihr leider die Größe, dies nun einzugestehen und umzuschwenken auf die Unterstützung Obamas. Dem 46-jährigen Senator aus Illinois ist es gelungen, die Sehnsucht nach Veränderung zu bedienen, vor allem junger Amerikaner und Intellektueller. Doch für eine handfeste Wirtschafts-, Finanz- und Gesundheitspolitik braucht es mehr als Charme und Esprit. Obamas erste Herausforderung wird es sein, Hillary Clinton und deren Anhänger hinter sich zu versammeln, die gespaltenen Demokraten wieder zu versöhnen. Um zu gewinnen, braucht er auch die Stimmen der weißen Arbeiter, die bisher vor allem für Clinton votierten. Denn dass mit Obama erstmals ein Farbiger zum mächtigsten Politiker der Welt werden könnte, ist eine spannende Option mit historischer Dimension und zugleich eine Prüfung für den Integrationsgrad der US-Gesellschaft. Bei dem jetzt beginnenden eigentlichen Zweikampf um das Weiße Haus greift John McCain gleich genüsslich auf Steilvorlagen von Clinton zurück, die Obama dessen politische Unerfahrenheit vorwarf. Der 71-Jährige hat immerhin schon geschafft, was sich noch im Januar niemand vorstellen konnte: Dass einem Republikaner nach der Bush-Verdrossenheit überhaupt wieder gute Chancen auf das Präsidentenamt eingeräumt werden. Im bisherigen Wahlkampf hat der Senator von Arizona auch weitgehend versucht, sich abzugrenzen vom unpopulären Präsidenten Bush, ob in der Klimapolitik oder mit seiner Ablehnung von Foltermethoden. Am 4. November wird sich zeigen, ob Obamas Visionen die Bürger noch immer begeistern, oder ob sie auf politische Erfahrung setzen. Die Wahl bleibt eben ein knallhartes und unkalkulierbares Geschäft.

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