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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Euro und Preisentwicklung

    Leipzig (ots) - Tatsache oder Täuschung? Hat der Euro das Leben in Deutschland teurer gemacht oder nicht? Das ist die Gretchen-Frage, die regelmäßig dann auftaucht, wenn die Statistiker die aktuelle Preissteigerungsrate veröffentlichen. Oft wird dann der Euro als Teuro verteufelt. Das klingt in den Ohren vieler Bundesbürger logisch, glaubt doch nahezu jeder, dies am eigenen Leibe gespürt zu haben, nachdem 2002 das neue Geld in die Portmonees kam. Deshalb wünscht sich noch heute, zehn Jahre nach dem offiziellen Beschluss zur Euroeinführung, ein Drittel der Deutschen die gute alte D-Mark zurück. Ein Körnchen Wahrheit ist natürlich immer dran: "Ich merke doch, um wie viel schneller mein monatliches Budget aufgebraucht ist", mögen viele sagen. Nur ist es eben zu einseitig und zu kurz gedacht, dem Euro den Schwarzen Peter des Inflationstreibers in die Schuhe zu schieben. Gewiss haben manche Händler und Gastwirte die Chance genutzt, seinerzeit bei der Währungsumstellung klammheimlich ein bisschen an der Preisschraube zu drehen. Dieser einmalige Effekt darf aber nicht über die generelle Tendenz anziehender Lebenshaltungskosten hinwegtäuschen. Sonst gerät man rasch in Erklärungsnot: Wer erinnert sich etwa noch daran, dass in den achtziger Jahren Butter umgerechnet mehr kostete als heutzutage? Wer denkt an inzwischen deutlich günstigere Telefongebühren als in den neunziger Jahren? Bei einem "Teuro" dürfte es diese Entwicklungen gar nicht gegeben haben. Das Leben wird nun mal von Jahr zu Jahr teurer, egal in welcher Währung gerechnet wird. Der Preisauftrieb ist also nicht ursächlich dem Euro anzulasten, sondern den globalen Entwicklungen. So lässt derzeit vor allem eine rasch anziehende Nachfrage nach Energie und Rohstoffen die Konsum-Preise ansteigen. Das zeigt sich an den Zapfsäulen ebenso wie an der Strom-, Öl- und Gasrechnung. Mit fatalen Kettenreaktionen in praktisch jeder Branche. Energie wird überall genutzt. Hinzu kommt der weltweit rasant zunehmende Bedarf an Agrarrohstoffen und Nahrungsgütern. Auch das heizt die Preise an - vor allem bei Waren des täglichen Bedarfs. Kein Wunder, dass dadurch auch der tiefere Griff in die Geldbörse viel häufiger auffällt als etwa Preissenkungen bei elektronischen Geräten, deren Anschaffung höchstens alle paar Jahre mal ansteht. Schließlich wirkt die Mehrwertsteuererhöhung von 2007 nach, die zahlreiche Produkte verteuert hat. Dem Euro ist dies allerdings ebenfalls nicht anzulasten. Zu guter Letzt hat die Währung ja auch an Kraft gewonnen. Vom einstigen Tiefststand, als für einen Euro gerade mal 0,82 Dollar zu haben waren, ist nichts mehr zu spüren. Zwar treibt der Kurs von fast 1,6O Dollar den Exportwirtschaftlern Sorgenfalten auf die Stirn. Otto-Normal-Verbraucher profitiert dennoch davon: Reisen in den Dollar-Raum sind billiger. Und: Der Spritpreis läge noch weit höher, da Öl in Dollar gehandelt wird, so dass es günstiger auf dem Weltmarkt zu haben ist.

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