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LVZ: Leipziger Volkszeitung zur Leipziger Automesse AMI

    Leipzig (ots) - Es brummt wieder. Auf der AMI in Leipzig. Der einzigen deutschen Automesse in diesem Jahr. Jedenfalls sind die Erwartungen der Hersteller besonders hoch: Die Schau rund um des Deutschen liebstes Kind soll Impulse geben und zeigen, wo die Reise hingeht. Für den Absatz auf dem wichtigsten europäischen Automarkt. Und für die Innovationen der Branche. Denn die AMI ist eine Leistungsschau, auf der eine direkte Rückkopplung zum Kunden stattfindet. Das ist die Stärke des Konzepts. Ob die hoch gesteckten Erwartungen aber eintreffen, ist eher fraglich. Eine Messe kann vielleicht ein kurzfristiger Katalysator sein. Doch die Wirtschaft und das Kaufverhalten nachhaltig stimulieren, ist praktisch unmöglich. Dafür sind andere Faktoren entscheidender. Wie etwa die Konsumlaune, die von der Zukunftserwartung der Verbraucher abhängt. Wenn eine Volkswirtschaft sich im Aufschwung befindet, die Einkommen steigen und mehr Arbeitsplätze entstehen, sind das Voraussetzungen dafür, dass mehr Kraftfahrzeuge verkauft werden. Das ist auch ein Grund dafür, warum die Autoindustrie zuerst von den Konjunkturzyklen betroffen ist. Nun ist das vergangene Jahr ein gutes für die deutsche Volkswirtschaft gewesen. Es gibt mehr Jobs, und die Tarifabschlüsse fallen wieder höher aus. An der unbefriedigenden Kauflust hat das wenig geändert. Noch immer plagen viele Verbraucher Zukunftsängste, was wegen der hohen Inflation und den Turbulenzen rund um die Finanzkrise kaum verwundert. Kurzum, viele Deutsche sind verunsichert. Die Politik tut - vor allem, wenn es um das Automobil geht - ein Übriges, ganz nach dem Prinzip: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Bestes Beispiel ist Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seiner Biospritverordnung. Erst wollte er mit aller Gewalt durchsetzen, dass ab 2009 in Super und Normalbenzin zehn Prozent Alkohol enthalten sein müssen. Nachdem die Hersteller davor warnten, rund 3,6 Millionen zugelassene Wagen würden das nicht vertragen, zog er seine Beimischungspflicht zurück. Leider ist das kein Einzelfall. Das Gezerre um die CO2-bezogene Kfz-Steuer oder die Pendlerpauschale und die EU-Vereinbarung, nach der die nationalen Neuwagen-Flotten im Schnitt ab 2012 nur noch 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen, sind alles andere als verkaufsfördernd. Weil jeder, der sich ein neues Auto zulegt, natürlich wissen will, ob er den richtigen Griff macht. Immerhin geht es dabei auch um die Betriebskosten. Trotzdem: In Deutschland beträgt das durchschnittliche Alter eines Automobils acht Jahre. Der Sprit wird schon wegen des auf absehbare Zeit steigenden Ölpreises teurer. Die Brüsseler Kohlendioxid-Vorschriften werden zusätzlich zu Buche schlagen. Will heißen: Viele Autofahrer älterer Modelle kommen gar nicht herum, sich einen Neuwagen anzuschaffen. Zumindest langfristig. Was wiederum den Automarkt belebt. Das ist für die AMI, die auf den Endverbraucher ausgerichtet ist und im Gegensatz zu den großen Messen in Frankfurt, Genf, Tokio oder Detroit jährlich stattfindet, die Nische. Dort nämlich kann der Kunde anschauen, testen und erleben - so lange, bis es brummt.

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