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LVZ: zum Transrapid-Aus Kollektives Versagen

    Leipzig (ots) - Von Thilo Boss Traurig, traurig, aber wahr. Der Transrapid wird in der Bundesrepublik nicht mehr schweben, mit Ausnahme der Teststrecke im Emsland natürlich. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) haben gestern überraschend nach einer Krisensitzung mit den beteiligten Unternehmen die Notbremse gezogen. Das Aus für die Strecke vom Münchner Flughafen in die Innenstadt begründeten sie mit den stark gestiegenen Kosten, die mit 3,4 Milliarden Euro jetzt nahezu doppelt so hoch wären, als ursprünglich geplant. Der Technologie-Standort Deutschland hat damit eines seiner wenigen Leuchtturmprojekte verloren. Die Außenwirkung ist verheerend. Und das ist umso blamabler, weil das Projekt nach jahrelangem Hickhack vom ehemaligen bayerischen Regierungschef Edmund Stoiber (CSU) und von der Bundesregierung als Beleg für die Leistungskraft der deutschen Wirtschaft vollmundig angekündigt worden war. Übrig geblieben ist nun nur die Strecke in Shanghai. Doch die wird kaum ausreichen, um die Technologie weiter erfolgreich weltweit zu vermarkten. Zumindest wird es jetzt wesentlich schwieriger, wenn es das Mutterland der Technologie noch nicht einmal schafft, ein Mini-Projekt umzusetzen. Das schürt Zweifel. Tiefensees Hoffnung, die Transrapid-Technologie lasse sich in anderen Ländern vielleicht doch noch realisieren, klingt deshalb schon obskur. Nun ist es müßig, sich den Schwarzen Peter gegenseitig in die Schuhe zu schieben. Denn versagt haben alle, im Kollektiv sozusagen. Bayern, weil es als eines der reichsten Bundesländer und Profiteur der neuen Technologie keinen Cent mehr aus der Staatskasse locker macht. Der Bund ebenso, zumal die Kassenlage wesentlich besser als in den vergangenen Jahren ist und die Steuereinnahmen kräftiger als erwartet sprudeln. Und auch die Wirtschaft gibt ein schlechtes Bild ab. Denn das Konsortium um Siemens, ThyssenKrupp und Hochtief hatte erst im Herbst 2007 dem Zielpreis von knapp zwei Milliarden Euro zugestimmt. Dilettantisch kalkuliert, kann man da nur sagen. Schadensbegrenzung ist angesichts des Imageverlustes allerdings nicht mehr möglich. Doch die Politik und die Wirtschaft müssen Lehren aus dem Desaster ziehen. Dabei geht es vor allem darum, ob Deutschland bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen, um die im eigenen Land entwickelten Technologien auch in die Praxis umzusetzen. Die Antwort kann nur ein eindeutiges Ja sein, und sie ist vergleichbar mit der Argumentation, als das Maut-System umgesetzt wurde. Denn nur wenn ein Produkt eingeführt ist, kann es in der Regel erfolgreich vermarktet werden. Davon lebt ein rohstoffarmes und auf den Export ausgerichtetes Land wie die Bundesrepublik. Um den Lebensstandard und Arbeitsplätze zu halten, muss es technologisch die Nase vorn haben. Billig produzieren kann die Konkurrenz in Osteuropa und Fernost nämlich besser. Darum ist es so wichtig, dass der Staat und die Industrie bei der Technologieförderung eng Hand in Hand arbeiten - und das kostet manchmal auch ein paar Euro mehr.

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