Leipziger Volkszeitung

LVZ: Leipziger Volkszeitung zum Weggang der Computerspielemesse Games Convention

    Leipzig (ots) - Es gibt Sätze, die klingen wie blanker Hohn. Wenn sich der Branchenverband der Spieleindustrie BIU bei der Leipziger Messe und dem Umland dafür bedankt, dass sie die Computerspielemesse Games Convention groß gemacht haben, dann fällt einem nichts mehr ein. Auch wenn dies die Kölnmesse bestreitet, für die GC hat sie offenbar mehr Geld hingelegt als jeder andere Messeplatz in Deutschland. Das ist modernes Raubrittertum. Sicher ist die Kritik an der mangelnden Infrastruktur in Leipzig als Begründung für den Umzug nach Köln nicht aus der Luft gegriffen. Insbesondere die nationale und internationale Fluganbindung lässt zu wünschen übrig, was nebenbei bemerkt auch die großen Unternehmen der Region seit langem beklagen. Per Bahn oder mit dem Auto ist Leipzig aber mindestens so gut wie jede andere namhafte westdeutsche Messestadt zu erreichen. Als Grund für den Umzug von der Pleiße an den Rhein gibt der Verband eine rein unternehmerische Entscheidung an. Köln habe die besseren Voraussetzungen für den Aufbau einer internationalen Veranstaltung. Hier muss aber die Frage erlaubt sein: Was war oder ist die GC denn jetzt? Der BIU hat sie bislang jedenfalls immer als Leitmesse gefeiert. Und wie viel Geld darf die öffentliche Hand für das Wachsen einer Veranstaltung ausgeben, bis diese groß genug ist, damit die Industrie eine wirtschaftliche Entscheidung überhaupt erst fällen kann? Messegesellschaften sind in Deutschland zumeist in kommunaler Hand und ein Zuschussprojekt. Falsch wäre es deshalb nicht, wenn Sachsen und die Stadt Leipzig als Gesellschafter, die das Baby GC aufgepäppelt haben, jetzt auf den BIU zugehen und ordentlich Geld für Windeln und Babynahrung verlangen würden. Seit der letzten GC 2007 ist klar, behauptet der BIU, dass Leipzig als Austragungsort ab 2009 nicht mehr in Frage kommt. Bei der Leipziger Messe ist das offensichtlich so nicht angekommen. Wenn doch, hat es die Geschäftsführung schlichtweg verschlafen, ordentlich öffentliche Gegenwehr zu organisieren, in die auch die Politik bis hin zur Kanzlerin hätte eingebunden werden müssen. Denn der Umzug nach Köln ist mitnichten nur eine simple unternehmerische Entscheidung. Für Leipzig, für den Osten, ist es ein fatales Signal, nunmehr nur noch (Messe-)Standort zweiter Klasse zu sein. Leipzig und seine älteste Messe der Welt sind gerade dabei, die Folgen der deutschen Teilung zu überwinden und an alte Traditionen anzuknüpfen. Der schmerzliche Verlust einer Leitmesse wirft den Ausstellungsplatz auf seinem Weg zu neuer Größe um Meilen zurück. Die Politik muss spätestens jetzt hinterfragen, ob das mit öffentlichen Geldern subventionierte Wettbewerbsgebaren der Messeplätze richtig ist. Die Verschiebung der Veranstaltung vom August in den September ist eine klare Absage an die bisherige Hauptklientel der GC, die Gemeinschaft der Daddelfreunde, die in den Sommerferien auf dem Messegelände vor den Toren Leipzigs die Neuheiten der Industrie ausgiebig getestet hat. Die neue Computer- und Videospielemesse hat verstärkt das Fachpublikum im Fokus, es geht ums große Geschäft und nicht um das Erlebnis Spielen. Von der GC bleibt nicht viel übrig - das ist besonders bitter.

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