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LVZ: Leipziger Volkszeitung zu Kindstötungen

    Leipzig (ots) - Fünf kleine Jungs von der eigenen, völlig überforderten, psychisch kranken Mutter erstickt. Das geht tief unter die Haut. Man fragt sich, wie verzweifelt, wie alleingelassen, wie krank muss eine Mutter sein, um das Leben ihrer eigenen Kinder auszulösen, ihnen keine Zukunft mehr zu lassen? Eine Erklärung, die normal zu begreifen wäre, gibt es dafür nicht, aber noch mehr Fragen: Hat niemand diese Notsituation bemerkt und ernst genommen? Hätte diese Kindstötung verhindert werden können? Das gilt auch für die drei toten Babys in Plauen. Auch hier steht die Mutter unter Tatverdacht, auch sie ist jung, in einer sozial schwachen Situation und offenbar überfordert. Das bundesweite Entsetzen ist groß. Ebenso stark erschallen wieder die Rufe nach schärferen Gesetzen, Vorsorgeuntersuchungen und insgesamt mehr staatlicher Fürsorge. Das alles ist auch Ausdruck einer Hilflosigkeit, solche Tragödien wohl nie ganz verhindern zu können. Schleswig-Holstein hat zum Schutz von Kindern vor Gewalt und Verwahrlosung erst unlängst ein Kinderschutzgesetz beschlossen. Gerettet hat es die fünf Brüder leider nicht. Gesetze sind das eine, ihre Umsetzung das andere. Schon nach dem Tod des kleinen Kevin wurde die Personal- und Strukturkrise in der Kinder- und Jugendhilfe beklagt. Geändert hat sich in den überlasteten Ämtern offenbar nichts. Wie sonst kann es passieren, dass es in Plauen erst nach fünf Jahren zum Zeitpunkt der Schuluntersuchung auffällt, dass es da eigentlich ein Kind geben müsste? Aber es sind nicht nur die Behörden, von denen mehr Aufmerksamkeit und mehr Sensibilität gegenüber Familien mit Schwierigkeiten erwartet wer-den kann. Es sind auch die Nachbarn, die Bekannten, kurz die Gemeinschaft. Hat in Plauen wirklich von drei Schwangerschaften niemand etwas mitbekommen? Hat im kleinen Darry keiner gemerkt, dass die Mutter selbst Hilfe brauchte und mit ihren Kindern, insbesondere mit ihrem behinderten Drittgeborenen, nicht mehr zurecht kam? Die Gleichgültigkeit ist auch die Folge einer Werteverschiebung in der Gesellschaft, in der der Manager mit der Luxuslimousine mehr Respekt genießt als die Mutter mit dem Kinderwagen. Trotz aller Anstrengungen der großen Koalition in der Familienpolitik, ist Deutschland noch weit von einem wirklich kinderfreundlichen Klima entfernt. Gewiss, die Super-Nanny kann nicht überall sein. Und bei aller Tragik der aktuellen Fälle sollte nicht vergessen werden, dass die Zahl der Kindstötungen generell zurückgegangen ist. Dennoch ist jedes Verbrechen eines zu viel. Deshalb braucht es mehr Hilfsangebote für junge Eltern, die nur schwer zurecht kommen, eine bessere Kooperation zwischen Medizinern und Behörden und auch mehr Kontrollbesuche. Und Nachbarn, denen das Schicksal fremder Kinder nicht gleichgültig ist.

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