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LVZ: Klimawandel in Oslo

    Leipzig (ots) - Von Olaf Majer Alle Wetter! Mit dem Friedensnobelpreis für Klimaretter Al Gore hat das Osloer Komitee mal wieder sein grünes Herz schlagen lassen. Ähnlich wie 2004 bei der kenianischen Umweltaktivistin Wangari Maathai wird der Kampf gegen Umweltsünden und die Vernichtung von Lebensgrundlagen gewürdigt. Auch der UN-Weltklimarat wurde mitbedacht, obwohl die oft lautstark verabreichten Klima-Schockdosen der Behörde unter Wissenschaftlern umstritten sind. Aber, bei allem Respekt für das ökologische Engagement - hat dieser Nobelpreis noch etwas mit dem Frieden zu tun? Ein Klimawandel ist auch in der norwegischen Preis-Jury spürbar, der Friedensbegriff wird wahlweise auf Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit oder Umwelt ausgedehnt. Das wundert kaum: Globale Konflikte verlaufen heute nicht mehr zwischen Schützengräben, ein großer Schlichter kann sich so nicht aufdrängen. Trotz Raketenschutzschildes und neuer Aufrüstungs-Pläne - eine diffuse Angst macht sich vor allem vor Erderwärmung und Wetterunbilden breit. Hier verlaufen die neuen Frontlinien zwischen allwissenden Öko-Mahnern und sturen Ignoranten, zwischen Radlern und Jeep-Fahrern, zwischen Bio-Kost-Kunden und Mikrowellen-Köchen. Aufgeschreckt durch Jahrhundertflut und Hitzerekorde wechseln die einen Glühbirnen gegen Energiesparlampen aus, andere kuscheln sich dank Pelletheizung beruhigt ein, statt weiter Öl zu verfeuern. Damit kann man im Privaten seinen grünen Frieden machen. Aber rettet einer schon den Weltfrieden, wenn er einen Film mit reichlich zugespitzten Überflutungsszenarien dreht und als gut bezahlter Wanderprediger mit schlechter persönlicher CO2-Bilanz durch die Lande fliegt? Selten wird die weltweit wichtigste Auszeichnung allein für eine persönlich herausragende Leistung verliehen. Meist schwingt der Hintergedanke mit, eine bestimmte politische Richtung zu unterstützen oder eine andere auszubremsen. Auffallend oft ist der äußerst selten glücklich agierende US-Präsident George W. Bush die Zielscheibe der Osloer Juroren. Das war 2002 so, als Jimmy Carter auch für sein permantes Bush-Feuer geehrt wurde. Oder 2005 - als Mohammed el Baradei und seine Atomenergiebehörde den Preis bekamen. Eine härtere Ohrfeige für Bushs Irak-Krieg gibt es nicht. Nun also gehört der Lorbeerkranz ausgerechnet dem Mann, der seine hoch dotierten Vorträge meist mit dem Satz "Ich bin der ehemalige nächste Präsident der USA" beginnt. Der so hauchdünn gegen Bush die Wahl verlor. Der als wiedergeborener Klima-Messias aber auch Schlagzeilen machte mit seinem Privathaus, das 20-mal so viel Energie verbraucht wie ein US-Durchschnittshaushalt. Vorbei und vergessen, Gore ist auf dem Gipfel. Wer sich aber nach diesem Achtungszeichen gegen den Anti-Klima-Schützer Bush politische Gore-Taten erhofft, wird enttäuscht. Ins Weiße Haus zieht den Clinton-Vize angeblich nichts mehr, längst sieht sich der Oscar-Gewinner der Tagespolitik entrückt. Er könne so mehr bewirken, sagt Gore. Mag sein, dass Gore die Rolle des unabhängigen, geschäftstüchtigen Aufklärers besser liegt als die des handelnden, erfolgsabhängigen Akteurs. Doch es ist ein bisschen wenig für den Ritterschlag aus Oslo.

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