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LVZ: Leipziger Volkszeitung zur SachsenLB

    Leipzig (ots) - Von Thilo BossFeuerwehraktionDass es nach der IKB gleich die SachsenLB erwischt, die in den Sog der US-Immobilienkrise hineingezogen wird, kommt schon ein wenig überraschend. Aber eben nur ein wenig. Das Engagement der kleinsten Landesbank Deutschlands in den Vereinigten Staaten ist nämlich bekannt gewesen. Also musste auch für den schlechtesten Fall damit gerechnet werden, dass die SachsenLB in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnte. Sie wird voraussichtlich nicht die letzte sein, die es trifft. Die Banken sind verunsichert. Keine leiht der anderen kurzfristig mehr Geld. Dagegen bestimmen Angst und Misstrauen das Kreditgeschäft. Weil niemand weiß, in welchen Büchern welche Risiken liegen. Genau das ist es, was aus der vermeintlichen Krise inzwischen eine richtige macht. Zu einer brandgefährlichen obendrein. Inzwischen mehren sich schon die Anzeichen, dass sie einen Domino-Effekt auslösen und das Wirtschaftswachstum bremsen könnte. Das hat die Reaktion der amerikanischen Notenbank mit der Leitzinssenkung zum Wochenende gezeigt. Kurzum, die Liquiditätskrise könnte sich zu einer Weltwirtschaftskrise entwickeln. Könnte. Die Hilfsmechanismen funktionieren, wie das Handeln der Noten- und Landesbanken gezeigt hat. Sie haben dem Markt die Liquidität gegeben, die er braucht, damit er nicht zusammenbricht. Nichts anderes ist auch die Milliarden-Feuerwehraktion vom Wochenende. Ohne sie wäre die SachsenLB im Prinzip pleite gewesen. So bitter das für die Landesbanker ist. Was allerdings keineswegs etwas darüber aussagt, ob sie die Folgen hätten absehen können. Nach allem, was bekannt ist, konnten sie es nicht. Die Objekte, in die die irische SachsenLB-Tochter Ormond Quay Geld investiert hat, haben Super-Ratings. Jedenfalls scheint es so zu sein, wofür auch die mit der Bundesbank und der Bafin abgestimmte Aktion vom Wochenende spricht. Doch daraus ergeben sich Konsequenzen, die die Finanzwirtschaft und die Staaten nach der Krise bewältigen müssen. Sie haben die Frage zu beantworten, welche Rolle die Rating-Agenturen in Zukunft spielen sollen und wie sie besser kontrolliert werden können. Aber das ist bereits durch Deutschland und die EU angeschoben. Bei der SachsenLB dagegen muss zuerst die Frage geklärt werden, ob es eine Aufgabe einer Landesbank ist, sich auf dem US-Immobilienmarkt zu engagieren. Solange die Geschäfte gut gegangen sind, spielte das eine untergeordnete Rolle. Das hat sich mit diesem Wochenende geändert. Zwar ist bisher lediglich Liquidität zur Verfügung gestellt worden. Offen ist, welches dicke Ende noch kommt und welche politischen Dimensionen die Krise annimmt. @th.boss@lvz.de

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