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LVZ: zu: Gentechnik-Gesetz Verschärfte Aufsplittung

    Leipzig (ots) - Von Maja Zehrt Mit der Novelle des Gentechnikrechts hat sich die Bundesregierung genau zwischen alle Stühle gesetzt: Vertreter von Genforschung und Industrie jammern über ein vermeintliches Ausstiegsszenario und viel zu strikte Regeln. Gegner genmanipulierter Pflanzen befürchten eine unkontrollierte Ausbreitung von Design-Gewächsen auf deutschen Äckern. In der Tat ist die Novelle ein Eiertanz zwischen Verbraucher- und Industrie-Interessen: Mit Blick auf berechtigte und vor allem mehrheitlich vorhandene Ängste in der Bevölkerung, hat sich die Regierung für einen Mindestabstand von 150 Metern zwischen künstlichen und konventionellen Anbauflächen entschieden. Das ist mehr als von der Gentechnik-Industrie verlangt, aber auch deutlich weniger als etwa der Mindestabstand von 800 Metern in Luxemburg. Folge: Die Aufsplittung der Republik in einen quasi gentechnikfreien Westen und den gentechnischen Ballungsraum Osten verschärft sich. Mit dem Unmut der Bevölkerung, militanten "Feldbefreiern", Haftungsstreitereien und wirtschaftlichen Schäden werden sich vornehmlich Bauern in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen herumschlagen müssen. Dies dürfte dem bayerischen Verbraucherschutzminister Horst Seehofer mit Blick auf das eher gentechnik-kritische Klientel seiner CSU nur recht sein. Fair ist es nicht. Schon jetzt finden fast alle Freilandversuche mit manipulierten Gewächsen in Ostdeutschland statt - selten unter Applaus der Bürger. Der Widerstand vieler Menschen im sachsen-anhaltinischen Gatersleben gegen ein Gen-Weizenfeld im vergangenen Winter ist beispielhaft. Auch wenn in der diesjährigen Saison rund 2600 Hektar Gen-Mais gemeldet wurden und diese lediglich einen Anteil von 0,016 Prozent der gesamtem Mais-Anbaufläche in Deutschland ausmachen: Die Bevölkerung bleibt auf Mindestabstand. Deshalb liegt die Bundesregierung richtig mit ihrer Entscheidung, das Standortregister weiterhin für jeden einsehbar zu erhalten. Alles andere würde Vertrauen schwächen. Eine unbefangene bis naive Einstellung gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln wie es sie in den USA gibt, ist in Deutschland nicht vorstellbar. Dies hat nichts mit Technikfeindlichkeit zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Langzeitstudien zu gesundheitlichen Auswirkungen bei Menschen für eine derart junge Technologie schlicht noch nicht vorliegen. Zudem zeigt der anhaltende Boom der Biobranche, dass der Trend hier zu Lande eindeutig in Richtung naturbelassener Lebensmittel geht. Aus diesem Grund sollte Seehofer schleunigst die versprochene Kennzeichnung gentechnikfreier Produkte in die Tat umsetzen. Nur dann haben die Bürger die viel gepriesene Wahlfreiheit. Es braucht keinen Wissenschaftler, um vorauszusagen, welchen Lebensmitteln die Verbraucher mehr Vertrauen schenken werden.

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