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BLOGPOST: Radiomacher über PR-Material: "Es gibt viele Sachen, die ärgern"

Kryptische E-Mail-Betreffs, fehlende oder falsche Ansprechpartner: Über diese Fehler in der Radio-PR ärgert sich Sebastian Schnerpel häufig. Er ist Redaktionsleiter beim Radiosender Berliner Rundfunk 91.4. In unserer Reihe "Wer liest eigentlich Pressemitteilungen?" befragen wir Journalisten nach ihren Anforderungen an PR-Material.

TREIBSTOFF: Wie würden Sie Ihren Arbeitsalltag beschreiben?

SCHNERPEL: Mein Alltag besteht darin, die einzelnen Themen des Tages mit den entsprechenden Sendungen abzuklären und zu koordinieren. Bei mir laufen alle Anfragen und Aufgaben zusammen. Das bedeutet: Die eine Hälfte des Tages sitze ich in Redaktionssitzungen und Meetings, die andere Hälfte kümmere ich mich um die Umsetzung der Themen und bin Ansprechpartner bei inhaltlichen Fragen. Auch die langfristige Themenplanung und die Erstellung des Dienstplans fällt in meinen Tätigkeitsbereich.

TREIBSTOFF: Wie recherchieren Sie neue Themen?

SCHNERPEL: Es braucht immer einen Anstoß, wie ein Thema überhaupt zu einem Thema wird. Egal, ob es ein Termin oder eine Höreranfrage ist oder ob einer hier im Haus etwas Interessantes gesehen hat. Dann überlegen wir, ob das Thema zum Sender passt und wie wir es umsetzen können. In der Regel fragen wir dann die betreffenden Stellen an und sammeln Informationen. Am Ende steht dann das Thema auf der Antenne. Heißt: Um neue Themen zu finden, lesen wir Zeitungen, scannen Pressemitteilungen, lesen aufmerksam die Hörerpost. Hier verstecken sich viele Themen, die oft übersehen werden. Und wir gehen aufmerksam durch unsere Stadt.

TREIBSTOFF: Wie muss PR-Material aussehen, mit dem Sie etwas anfangen können?

SCHNERPEL: PR-Material muss auf einen Blick zeigen: Worum geht es? Wann findet das Ganze statt? Was ist das Ziel dahinter? Wir werden täglich mit hunderten PR-Mails und Pressemitteilungen überschwemmt. Da bleibt für eine Mail nur wenig Zeit. Es ist also wichtig, dass schon der Betreff so konkret wie möglich ist. Am besten wird hier mit Schlagworten wie "Videopremiere", "Einladung" oder "Pressetermin" gearbeitet. Auch sollte das Material immer mit Absätzen gegliedert sein und möglichst auf eine Seite passen.

Außerdem brauchen wir immer einen Ansprechpartner mit Telefonnummer und Mailadresse. Hier unterscheidet sich die Radioarbeit oft von anderen, denn wir rufen lieber an und sind oft sehr kurzfristig dran. Radio ist ein stark tagesaktuelles Medium und wir haben bei kleineren Geschichten wenig Vorlauf.

Wirklich hilfreich für uns ist, wenn bei einer E-Mail im Anhang die Pressemitteilung noch einmal als PDF-Dokument angehangen ist. Worauf wir komplett verzichten können ist PR-Material per Post. Die Redaktions- und Ablagesysteme sind alle digital. Zettel fliegen nur in der Redaktion herum und werden vergessen - oder landen direkt im Mülleimer. Ich persönlich lege übrigens keinen großen Wert auf tolle Werbefotos und bunte E-Mails. Denn mich interessieren erstmal die Infos. Die Kerninformationen können gern auch fett markiert werden - solange es nur einzelne Schlagworte oder Passagen sind.

TREIBSTOFF: Welche Fehler machen Absender von PR-Material immer wieder?

SCHNERPEL: Es gibt viele Sachen, die ärgern. Pressemitteilungen werden ungefragt an Mitarbeiter-Mailadressen verschickt und nicht an die offiziellen Redaktionsverteiler. Damit macht man sich keine Freunde in der Redaktion.

Immer wieder wird der Betreff kryptisch gewählt. Ich brauche nur in unsere Mails schauen und sehe folgende zwei Mails: "Save the Date" oder noch viel besser: "I-12-05". Damit kann niemand etwas anfangen. Es raubt nur Zeit und gerne löscht man dann solche Mails sofort ungelesen, denn wenn es wichtig wäre, würde sich der Absender mehr Mühe geben.

Oft hapert es auch an den Ansprechpartnern. Nicht selten ist gar keiner angegeben, manchmal nur eine Mailadresse. Für die schnelle Info und Anfrage ist das Telefon aber immer noch Medium Nummer eins. Und was richtig nervt und leider auch noch sehr häufig vorkommt: Der Ansprechpartner ist gerade im Urlaub oder gar nicht für das Projekt zuständig. Besonders gern wird bei überregionalen Projekten vergessen, einen regionalen Ansprechpartner anzugeben.

Dieser Beitrag ist ein Original-Blogpost aus TREIBSTOFF:

http://treibstoff.newsaktuell.de/radio-pr-fehler/

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