Greenpeace e.V.

Greenpeace gegen Gen-Raps auf Versuchsfeld
Belgien verhindert unkontrollierte Ausbreitung der Gen-Pflanzen, Deutschland lässt sie zu

    Hamburg/ Biere (ots) - Auf einem Versuchsfeld mit genmanipuliertem
Raps südlich von Magdeburg haben Greenpeace-Aktivisten heute früh
damit begonnen, einige der zwei mal sechs Meter großen Parzellen mit
Gen-Pflanzen mit durchsichtigen Kunststoff-Containern abzuschirmen.
Damit warnen die Umweltschützer vor der Gefahr, dass Gen-Pflanzen
sich in der freien Natur unkontrolliert ausbreiten. Durch Wind und
Insekten kann sich der Pollen über Raps-Äcker und verwandte
Wildpflanzen ausbreiten. Aus diesem Grund hat die belgische Regierung
letzte Woche die Gen-Raps-Versuche der Firma Aventis/Bayer untersagt,
in Deutschland finden solche Versuche trotz der Gefahr weiterhin
statt.
    
    "Stoppt Verseuchung mit Gen-Raps" steht auf dem Transparent, das
die Aktivisten im Feld aufgestellt haben. Sie werden einige der 1.800
Parzellen auf dem sechs Hektar großen Test-Acker auf Genmanipulation
prüfen und abschirmen. Der Raps der Firma Aventis/Bayer widersteht
durch Genmanipulation dem Pflanzengift Basta. Greenpeace fordert den
Konzern auf, die Ausbreitung der Gen-Pflanzen vollständig zu
verhindern.
    
    "Gen-Pflanzen beachten keine Ackergrenzen, sie breiten sich
unkontrolliert aus und gelangen in unsere Lebensmittel", erklärt
Greenpeace-Sprecherin Ulrike Brendel. "Die Industrie will den
Verbrauchern Gentechnik unterschieben und mit der Ausbreitung
Tatsachen schaffen. Die Behörden machen mit, indem sie die Versuche
genehmigen. Davor müssen Verbraucher und Umwelt geschützt werden.
Gen-Pflanzen dürfen daher nicht in die Natur gelangen."
    
    Gen-Rapspollen können sich über mehrere Kilometer weit verbreiten.
Raps kann sich nicht nur mit Raps kreuzen, sondern auch mit
verwandten Wildpflanzen. Eine neue Studie der Europäischen
Umweltagentur stuft Raps als hoch riskant ein, da sich seine Gene
leicht auf andere Pflanzen übertragen. Wird Gen-Raps in der freien
Natur angebaut, wird er auskreuzen.
    
    In Nordamerika wird Gen-Raps bereits großflächig angebaut. Er hat
sich so stark unkontrolliert ausgebreitet, dass kanadische Landwirte
den Verbrauchern keine unbelastete Ernte mehr garantieren können und
ihnen wichtige Absatzmärkte verloren gehen. "Das zeigt, wohin
Naivität im Umgang mit Gentechnik führt. So weit darf es in Europa
nicht kommen", fordert Brendel.
    
    Die unkontrollierte Verbreitung belastet bereits einige
Lebensmittel: Im Januar fand Greenpeace in Deutschland Honig aus
Kanada, der mit Pollen von Gen-Raps verunreinigt war. "Die Bienen
können Gen-Raps nicht von herkömmlichen Pflanzen unterscheiden", sagt
Brendel, "so gelangt die Gentechnik mit dem Honig auf unser
Butterbrot."
    
    Derzeit sind in Deutschland über 450 Gen-Versuche mit
verschiedenen Pflanzen in der freien Natur genehmigt. Biere ist einer
von 20 genehmigten Orten für experimentelle Freisetzungen in
Sachsen-Anhalt. Meist untersuchen die Firmen wirtschaftliche Aspekte
der Gen-Pflanzen wie Ertragssteigerung. Gefahren für Umwelt und
Verbraucher werden dagegen kaum erforscht.
    
    
ots Originaltext: Greenpeace e.V.
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