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Peter Zadek kritisiert im stern die Jury des diesjährigen Berliner Theatertreffens

Peter Zadek kritisiert im stern die Jury des diesjährigen Berliner
Theatertreffens
Starregisseur Peter Zadek hat den Sinn des diesjährigen Berliner Theatertreffens angezweifelt. Zwar sei ihm "egal", dass er in diesem Jahr mit keiner seiner Inszenierungen zum wichtigsten deutschsprachigen Bühnenfestival, das am Sonntag zu Ende geht, eingeladen wurde. Aber dass die Auswahl der Inszenierungen "nur in eine bestimmte Richtung geht, diesmal in die so genannte junge", findet der 75 Jahre alte Regisseur in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern "albern und opportunistisch". Wenn das Theatertreffen "zum Sprachrohr einer Richtung" werde, verliere es seinen Sinn. Zadek hätte sich gewünscht, dass in Berlin - ob im Rahmen des Theatertreffens oder nicht - seine Inszenierung des "Juden von Malta" von Christopher Marlowe zu sehen gewesen wäre, die im vergangenen Dezember am Wiener Burgtheater Premiere hatte. Der jüdische Regisseur sieht in der Titelfigur des Stücks starke Ähnlichkeiten mit Israels Premierminister Ariel Sharon. Zadek zum stern: "Mich interessiert eine Figur wie Sharon, weil er die Rache für Jahrtausende jüdische Verfolgung vollzieht. Das hat mich auch an dem Juden von Malta fasziniert, der ja zum Massenmörder wird." Sharon sei für ihn ein Massenmörder, "wenn man Arafat oder Bush auch Massenmörder nennt". Der Regisseur, der die Nachkriegsgeschichte des deutschen Theaters wesentlich mitgeprägt hat, ist sich bewusst, dass die Zusammenarbeit der Schauspielhäuser mit ihm sich schwierig gestalte. "Meine Penetranz und auch Vitalität halten nur wenige aus." Er sieht sich aber immer noch als Erfolgsgarant. "Ich gebe den Intendanten die Sicherheit, dass sie meine Inszenierungen 50- bis 60-mal vor ausverkauftem Haus spielen können. Nur deswegen," fügt Zadek hinzu, "darf ich meine komische Experimentierarbeit überhaupt weitermachen." Demnächst wird Zadek das Stück "Peer Gynt" von Henrik Ibsen am Berliner Ensemble inszenieren, obwohl, wie er bekennt, seine Beziehung zur deutschen Hauptstadt eher von Abneigung geprägt ist: "Mir geht Berlin auf die Nerven, weil ich Krach nicht mag." Die Stadt erinnere ihn "irgendwie an Castrop-Rauxel vor 50 Jahren, genauso düster und öde". Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Für Rückfragen steht der stern-Redakteur Heiko Gebhardt, Tel.: 030/20224271, zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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