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Dahrendorf im stern: Globalisierung kann für westliche Demokratien gefährlich werden

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    Hamburg (ots) - Die Globalisierung kann für westliche Demokratien
gefährlich werden. Diese Ansicht vertritt Gesellschaftstheoretiker
Ralf Dahrendorf, der der Globalisierung auch gute Seiten abgewinnen
kann, in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern, das am
Donnerstag veröffentlicht wird. Viele Entscheidungen würden von den
Vorständen weltweiter Unternehmen getroffen. "Oder auch von einzelnen
Spekulanten auf den Devisenmärkten oder von internationalen
Organisationen wie dem Währungsfonds IWF, der Welthandelsorganisation
WTO, der Nato." Das alles geschehe in einem demokratischen Vakuum, in
dem es weder klare Regeln noch Chancen der Mitwirkung der Bürger
gebe. "Es wird sehr lange dauern - aber wir brauchen globale Regeln",
forderte Dahrendorf im stern.
    
    Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeforderte "globale
Gerechtigkeit" kommentierte Dahrendorf mit dem Worten: "Die traurige
Wahrheit ist: Wir verlangen, dass die (Entwicklungs)-Länder ihre
Märkte für unsere Waren öffnen. Wir aber halten unsere Märkte für
deren Produkte geschlossen, vor allem für Nahrungsmittel und
Textilien."  Die klassische Entwicklungshilfe sei gescheitert, über
Alternativen sei nie richtig nachgedacht worden. Um die Armut zu
bekämpfen, gehe es nicht nur um Geld, "um großartige Marshall-Pläne
oder Kredite. Das Erste, was wir schaffen müssen, sind stabile
freiheitliche Institutionen". Um Freiheit zu garantieren, seien oft
"Initiativen sehr wirksam, die scheinbar klein sind".
    
    Viele der Länder, so Dahrendorf weiter, die mit den westlichen
Werten nichts zu tun haben wollen, befänden sich heute in einer
"Zwischenzeit". In dieser Phase lebten die Menschen nicht mehr in
traditioneller Armut in den Dörfern, sondern in den Slums der großen
Städte. In dieser  "Zwischenzeit" gedeihe auch der Terrorismus. "Er
entsteht nicht in totaler Armut. Er gedeiht, wenn die Menschen die
Videoaufnahmen von bin Laden sehen können, wenn sie ein Radio
besitzen, Coca-Cola trinken und auch sonst ein paar Symbole jener
Welt haben, die sie so hassen und die sie zugleich so beneiden."
    
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