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Günter Grass zum stern: "Nicht die NPD ist die Gefahr, sondern ihr Einfluss auf Stoiber und Koch"

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    Hamburg - Günter Grass hat sich gegen ein Verbot der NPD
ausgesprochen. "Man schafft ja durch ein Verbot die jungen Anhänger
nicht aus der Welt. Im Gegenteil, sie radikalisieren sich noch mehr",
sagt der Literatur-Nobelpreisträger in einem Interview mit dem
Hamburger Magazin stern. Die Demokratie in der Bundesrepublik sei
gefestigt genug, um mit einer rechtsradikalen Minderheit fertig zu
werden. "Nicht die NPD ist die eigentliche Gefahr, sondern der
abfärbende Einfluss, den sie auf Politiker wie Koch oder Stoiber
hat."
    
    Grass  kritisiert am Unions-Kanzlerkandidaten Stoiber, dass er
Jörg Haider unterstützt und "für Berlusconi sogar Wahlkampf gemacht"
habe. Mit Stoiber als Kanzler, so Grass zum stern, "wird es eine
Rückentwicklung geben". Wenn Grass selbst im Wahlkampf aktiv werde -
"ich kann noch nicht sagen, in welcher Weise ich das mache" - , dann
will er sich nicht wie früher nur für die SPD einsetzen, sondern für
Rot-Grün. "Ich halte die Grünen nach wie vor für eine mutige Partei,
die zu Unrecht dauernd abgestraft wird." Eine Regierungsbeteiligung
der PDS lehnt Grass ab. "Das halte ich für zu früh."
    
    Das neueste Werk des Schriftstellers, die Novelle "Im Krebsgang",
löste Diskussionen um das Thema Flucht und Vertreibung aus. Grass
schildert darin die Versenkung des mit Flüchtlingen besetzten
"Wilhelm Gustloff" im Januar 1945 nach einem Torpedobeschuss durch
ein sowjetisches U-Boot. Den Angriff, bei dem mehr als 9000 Menschen
umkamen, war nach Einschätzung des Schriftstellers "eine Katastrophe,
aber kein Verbrechen". Der russische U-Boot-Kommandant, der das
Schiff versenkt hat, "hat sich korrekt verhalten". Die Bombardierung
Dresdens aber war für Grass, anders als die Flüchtlings-Tragödie in
der Ostsee, ein Verbrechen. "Der Krieg war von den Alliierten im
Februar 1945 schon gewonnen, und sie wussten, dass die Stadt voller
schlesischer Flüchtlinge war."
    
    Auf das Lob des Kritikers Marcel Reich-Ranicki, der in seiner
neuen Fernsehshow seine Rührung bei der Lektüre der
Flüchtlings-Novelle offenbarte, reagierte Grass nur verhalten: "Meine
Frau und ich haben den Auftritt gemeinsam gesehen und gelächelt." Im
Falle Reich-Ranicki, der "Ein weites Feld", das vorletzte Buch von
Grass, gnadenlos verrissen hatte, sei es "egal, über welche Bücher er
redet. Er spricht eigentlich immer über sich."    
    
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