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stern berichtet über weitere illegale Tricks der Arbeitsämter

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    Hamburg (ots) - Manipulationen in der Erfolgsstatistik der
Bundesanstalt für Arbeit hat es offenbar nicht nur bei der
Stellenvermittlung gegeben. Auch bei der Berufsberatung, bei der
Vermittlung von Saisonarbeitern und bei der Auswertung von
Stellenanzeigen in Tageszeitungen wird nach Aussagen von Mitarbeitern
mit Tricks gearbeitet. Das berichtet das Hamburger Magazin stern, an
den sich mehrere Arbeitsamtsmitarbeiter gewandt haben.
    
    Ein Berufsberater eines ostdeutschen Arbeitsamtes rechnet in der
neuen stern-Ausgabe vor, wie z.B. seine Kollegen eine
Informationsveranstaltung in einer Schule verbuchen: "Wenn der
Berater für ein oder zwei Schulstunden in eine Klasse zur
Berufsberatung kommt, dann rechnet er das hinterher zusätzlich auch
als Individualberatung mit jedem einzelnen Schüler ab." Auf die Weise
könnten seine Kollegen an einem Arbeitstag über 20 Beratungstunden
verbuchen. Eine normale Schülerberatung im Arbeitsamt dauert
üblicherweise 45 Minuten.
    
    Ein Vermittler aus Süddeutschland berichtet: "In jedem Arbeitsamt,
das ich kenne, wird der Schmu mit den Stellenanzeigen der
Tageszeitungen praktiziert." Dazu wertet ein Mitarbeiter des
Arbeitsamtes die Tageszeitungen aus. Stößt er auf eine Anzeige, in
der ein Handwerksmeister einen Mitarbeiter sucht, ruft er diesen an
und fragt, ob das Stellenangebot auch im Computer des Arbeitsamtes
geführt werden dürfe. "99 Prozent der Betriebe sind da natürlich
einverstanden." Meldet sich ein Bewerber Tage später auf die Anzeige
bei der Firma und die Stelle wird besetzt, "konstruieren wir in dem
Moment eine Vermittlung", schildert der Vermittler im stern .
    
    Ein Vermittler aus Nordrhein-Westfalen ärgert sich laut stern
darüber, dass Saisonarbeiter, meist aus Osteuropa, als Vermittlungen
gezählt werden, obwohl dabei niemand von den Ämtern gesucht und
vermittelt wird. Die deutschen Arbeitgeber müssen beim Arbeitsamt
eine Arbeitserlaubnis beantragen und dabei die Namen der Erntehelfer
angeben. Die Ämter zählen, so der BA-Mitarbeiter, jede Erlaubnis als
Vermittlung und kommen so auf rund 250 000 Erfolgsmeldungen pro Jahr.
    
    Ein Amtsarzt aus Norddeutschland berichtet im stern, er werde von
seinen Vorgesetzten auf Veranlassung des Arbeitsamtes gedrängt,
schwer Vermittelbare dauerhaft krank zu schreiben. "Dabei sagen 60
Prozent der von mir begutachteten Probanden ganz offen, dass sie gar
nicht vermittelt werden wollen. Und es geht hier nicht um
Einzelfälle", sagte der Mediziner.
    
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