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König Abdullah II. von Jordanien zum stern: "Der neue Krieg kann 15 Jahre dauern"

Hamburg (ots) - Der militärische Anteil an dem "globalen Krieg gegen den Terrorismus" werde "sehr begrenzt bleiben". Das sagt König Abdullah II. von Jordanien in einem Interview mit dem stern voraus, das in der neuen, am Mittwoch erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins veröffentlicht wird. Der Monarch trifft am Donnerstag zu einem Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin ein. "Dies ist ein neuer Krieg," so die Einschätzung des Monarchen, "der zehn bis 15 Jahre dauern kann", und in dem die USA "sehr gemäßigt" vorgingen. Weil sie Verständnis für das Leid der Bevölkerung hätten, reagierten die Amerikaner "nicht nur militärisch, sondern auch humanitär". Mit ihren Verbündeten wollten die Amerikaner "die Ziele treffen, die sie für den Terrorismus verantwortlich machen, und dann Afghanistan verlassen". Nach Erkenntnissen König Abdullahs II. gibt es "Warnungen vor neuen Operationen von al Qaeda und Gerüchte, dass diese noch dramatischer ausfallen als das, was am 11. September geschehen ist". Die Terroristen um Osama bin Laden wollten "den Krieg der Kulturen und Gesellschaften". Der physische Schaden sei nur ein Teil dessen, worauf die Terroristen bei den Anschlägen in den USA abgezielt hätten. "Sie wollten auch den emotionalen Schaden, indem sie Amerikaner gegen Muslime und Araber aufhetzten." Dass dies kein Krieg der Kulturen sei, hätten die Regierungen in Europa und den USA immer wieder betont. "Im Osten", so der Wunsch des jordanischen Königs, "sollten dies mehr Verantwortliche sagen." Eine der Ursachen des radikalen Fundamentalismus sieht Abdullah II. in "Frustrationen und Verzweiflung", die dort entstehen, wo es ungelöste Konflikte gibt, "egal, ob in Nordirland, Spanien oder auf den Philippinen". "Wir als Führer der Dritten Welt", appelliert der jordanische König im stern-Gespräch, "müssen uns mehr um die sozialen und wirtschaftlichen Belange unserer Völker kümmern. Wer hungrig ist, kein vernünftiges Leben führen kann und meint, um sich herum Unrecht zu sehen, der setzt all dieses leicht in Frust und Wut um." Im Nahen Osten sei der Kern von Frust und Wut das Palästinenser-Problem. Die Menschen hätten das Gefühl, vom Westen anders behandelt zu werden als die Israelis. Die Lösung dieses Konflikts sei "ganz einfach: zurück an den Verhandlungstisch". Zwar würde Abdullah II. als Vermittler zur Verfügung stehen, "wenn wir ein Mandat von beiden Seiten bekämen". Es wäre aber besser, so der jordanische König zum stern, "wenn sich die Verantwortlichen direkt zusammensetzten". ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Für Rückfragen steht Ihnen die Auslands-Redaktion des stern (Tel. 040/37033595) zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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