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Stern: Bundeswehr kann Uranmunition nicht aufspüren

    Hamburg (ots) - Die Bundeswehr hat erst im Frühjahr dieses Jahres
ernsthaft geprüft, ob für die in Bosnien stationierten deutschen
Soldaten eine Gefahr durch die dort verschossene Uranmunition
ausgeht. Wie das Hamburger Magazin stern in seiner neuen Ausgabe
berichtet, besitzt die Bundeswehr nämlich bis heute kein Gerät, um
vagabundierende Strahlen aufzuspüren. Die ABC-Spürpanzer der
Bundeswehr können Strahlung, wie sie durch Uranmunition entsteht,
nicht messen, es sei denn, sie stehen mit ihrem Spürgerät genau über
einer Strahlenquelle. Öffentlich, so der stern, werde darüber nicht
geredet, weil sonst die Vereinigten Arabischen Emirate vom Kauf von
64 Spürpanzern bei der Firma Rheinmetall abgeschreckt werden könnten.
    
    Um zuverlässige Messungen durchführen zu können, lieh sich die
Bundeswehr im Februar bei einer Privatfirma einen hoch empfindlichen
Detektor. Obwohl das offizielle Ergebnis "Keinerlei Kontaminierung"
lautete, gestand das Verteidigungsministerium auf stern-Anfrage ein,
dass mit dem neuen Gerät eine lebensgefährliche Strahlenquelle
geortet worden sei, die mit fünf Gigabequerel gestrahlt habe.
    
    Parallel zur laschen Aufklärung der tatsächlichen Strahlengefahr
spielt das Verteidigungsministerium die Risiken durch die Rückstände
der Uranmunition systematisch herunter. Dabei sind sie, wie der
Göttinger Professor für Strahlenchemie, Dietrich Harder, warnt, ein
"gefährliches Problem". Bei der Explosion entstehe Uranoxid, das sich
als hoch giftiger Staub auf die Umgebung verteile. Soldaten könnten
diesen Staub schlucken oder einatmen. Das Uran lagere sich dann in
der Lunge oder den Knochen ab, könne in die Blutbahn gelangen und zu
Leukämie führen.
    
    Wie schlecht die deutschen Soldaten auf dem Balkan ausgerüstet
sind, beweist das nahe Sarajevo gelegene Feldlager Rajlovac, in dem
1500 Soldaten in Wohncontainern untergebracht sind. Zur
Stromversorgung verbrennt die Bundeswehr fast mitten im Camp täglich
57 000 Liter Diesel in Generatoren. Die Abgase vergiften die Soldaten
systematisch: Mehr als 50 Prozent erkranken während ihres Einsatzes
in Rajlovac an Infektionen der Atemwege.
    
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