Gruner+Jahr, STERN

Westerwelle im stern: "Wir sind der dritte Weg"
Der FDP-Vorsitzende schließt Ampel kategorisch aus - Attacke auf CSU-Chef Stoiber: "Immer wenn's heikel wird, schweigt er"

    Hamburg (ots) - Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle ist auf
deutliche Distanz zum bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber
gegangen. Damit er den CSU-Chef als möglichen Koalitionspartner
beurteilen könnte, "müsste Herr Stoiber erst einmal anfangen, wieder
über Politik zu reden. Immer wenn´s heikel wird, schweigt er", sagte
Westerwelle dem Hamburger Magazin stern. "Wie will ich ihn messen?
Ich kann die Politik von Herrn Stoiber in zwei Dritteln der Felder
kaum beurteilen. Ich weiß weder, was er in der Bildungspolitik will,
noch wie er in wichtigen Fragen der Außenpolitik denkt."
    
    Mit diesen Äußerungen wirkte Westerwelle Berichten entgegen, er
habe bei einem Treffen den Schulterschluss mit Stoiber gesucht.
Zugleich demonstrierte der FDP-Vorsitzende Abstand zur SPD. "Eine
Zigarre mit Herrn Schröder hat mich nicht so benebelt, dass ich nur
noch sozial-liberal denke", sagte Westerwelle unter Anspielung auf
seinen Antrittsbesuch beim Bundeskanzler. Eine Ampel-Koalition auf
Bundesebene schloss der Freidemokrat gegenüber dem stern kategorisch
aus: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie Herr Trittin und ich in
einer Koalition inhaltlich zusammenarbeiten können. Deswegen wird es
nach der Bundestagswahl auch keine Ampel geben."
    
    Gleichwohl betonte Westerwelle: "Selbstverständlich möchten wir
regieren. Was glauben Sie, warum ich in der Politik bin? Weil ich zu
Hause eine feuchte Wohnung habe?". Er selbst habe sich noch nicht
entschieden, ob er im Falle einer Regierungsbeteiligung dem Kabinett
angehören wolle, sagte der FDP-Chef dem stern. Er ließ aber erkennen,
dass er das Bildungsministerium anstrebt. Die Bildungspolitik liege
ihm "besonders am Herzen" und müsse aufgewertet werden; "es gibt auch
kein Naturgesetz, dass der Vizekanzler immer Außenminister sein
muss."
    
    In der Debatte um die Globalisierung plädierte Westerwelle dafür,
die Chancen zu nutzen, aber "kluge staatliche Rahmenbedingungen gegen
einen Raubtierkapitalismus" zu setzen. "Die Globalisierung findet auf
jeden Fall statt, aber man muss ihr ein menschliches Antlitz geben",
sagte er dem stern. "Wir dürfen nicht mit nationaler Abschottung und
Schutzzöllen reagieren."
    
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ots Originaltext: stern
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