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"Eine Art Wahlkampfveranstaltung": Vor dem G8-Treffen in Genua kritisiert der französische Ex-Präsident Valéry Giscard d'Estaing im stern die heutigen Weltwirtschaftsgipfel

    Hamburg (ots) - Valéry Giscard d'Estaing, Präsident Frankreichs von 1974 bis 1981, hat die heutige Form der Weltwirtschaftsgipfel scharf kritisiert. In einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern sagte Giscard, manche Regierungschefs könnten "der Versuchung nicht widerstehen, aus dem Gipfel eine Art Wahlkampfveranstaltung zu machen, andere wollen sie politisch ausschlachten". "Dementsprechend", so Giscard weiter, "werden auch die Orte ausgewählt. Je prächtiger und protziger, desto besser."

    Giscard, der 1975 mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt zum ersten Weltwirtschaftsgipfel auf das französische Schloss Rambouillet lud, beklagte im stern, dass mittlerweile "diese Veranstaltungen zu riesigen Spektakeln degeneriert" seien. Giscard: "Damals gab es einen echten Meinungsaustausch. Die Idee war ja zu hören, was die anderen Staatschefs wirklich über gewisse Probleme dachten, und nicht, sich mit vorgekauten Meinungen zu bombardieren." Heute würden Monate vor jedem Treffen "in jedem Land Erklärungen und Memoranden ausgestoßen". Die Gipfelbürokraten hätten "schon lange vor den Begegnungen festgelegt, was am Ende herauskommen wird".

    Über den Gipfel in Genua sagte Giscard: "Ich bin sicher, dass die Hälfte der Regierungschefs, die sich in Genua treffen werden, die Papiere, über die sie diskutieren sollen, gar nicht gelesen haben."

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