Gruner+Jahr, STERN

Franz Müntefering rät homosexuellen Politikern zum Outing
- Der SPD-Generalsekretär im stern-Interview: "Schwule und Lesben sind für alles geeignet - sogar als Papst"

Hamburg (ots) - Als erster deutscher Spitzenpolitiker hat SPD-Generalsekretär Franz Müntefering homosexuelle Politiker indirekt dazu aufgefordert, dem Beispiel des neuen Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit zu folgen und sich zu ihrer Neigung zu bekennen. "Ich glaube, dass Schwule und Lesben in der Politik sich, ihrer Partei und der Öffentlichkeit helfen können, wenn sie daraus kein Geheimnis machen", sagte Müntefering in einem Interview mit dem Magazin stern. "Man baut damit Vertrauen auf und es wird nicht getuschelt. Einer, der in diesem Punkt sagt, was Sache ist, sagt auch an anderer Stelle die Wahrheit - so sehen das die Menschen." Er halte allerdings nichts davon, "dass nun alle auf den Markt gehen und rumschreien, was ihre speziellen sexuellen Bedürfnisse oder Eigenarten sind", sagte Müntefering einschränkend. Generell sollte "das Liebesleben von Politikern keine Rolle spielen. Der Bürgermeister von Paris ist schwul, na und? Hauptsache, er macht gute Politik", so der SPD-Politiker, der eine lesbische Tochter hat. Er glaube auch nicht, dass Wowereits Outing den Sozialdemokraten im anstehenden Berliner Wahlkampf schaden werde, sagte Müntefering. "Das ist ein Thema von Vorvorgestern." Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, dass Deutschland von einem schwulen Kanzler oder einer lesbischen Kanzlerin regiert wird, antwortete der SPD-Generalsekretär dem stern: "Na klar. Im Prinzip sind Lesben und Schwule für alles geeignet - sogar als Papst." Bei einer Forsa-Umfrage unter 1003 Bundesbürgern im Auftrag des stern gaben 64 Prozent der Befragten an, sie könnten sich vorstellen, von einem schwulen Kanzler regiert zu werden. Danach scheint das Interesse der großen Mehrheit an der sexuellen Neigung von Politikern eher gering zu sein. So würden nur zehn Prozent der Befragten gern wissen, ob ein Spitzenpolitiker homosexuell ist. 63 Prozent halten einen Politiker, der sich zu seiner Homosexualität bekennt, für genauso glaubwürdig wie einen, der sich nicht dazu bekennt. Dass Politiker gegen ihren Willen geoutet werden, finden aber 86 Prozent nicht richtig. 53 Prozent der Deutschen wären nach dieser Umfrage nicht enttäuscht, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter bekennen würden, homosexuell zu sein. 38 Prozent der Befragten wären darüber enttäuscht. Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen stern-Autor Andreas Hoidn-Borchers unter 030/202240 zur Verfügung. Zur Umfrage: stern-Nachrichtenredaktion, Tel. 040/3703-3558 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Das könnte Sie auch interessieren: