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stern: Biedenkopf flog kostenlos mit Unternehmen seines Jugendfreundes Barth

Hamburg (ots) - Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf gerät durch eine Reihe von Dienstflügen unter Druck. Dem Hamburger Magazin stern liegt eine Flugliste vor, die die sächsische Staatskanzlei selbst vor einem Jahr erstellte. Sie zeigt, dass sich Biedenkopfs Jugendfreund, der Kölner Bauunternehmer Heinz Barth, gegenüber dem Ministerpräsidenten erkenntlich zeigte: Biedenkopf durfte häufig in Barths Firmenjets reisen, ohne zu bezahlen. Mindestens zwölf Mal, berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe, flog Biedenkopf zwischen 1991 und 1997 mit Maschinen der "FTG Aircharter" oder "FTG Air-Service". Die FTG gehört Barth. Die sächsische Staatskanzlei zahlte für keinen dieser Flüge. Die Kosten trugen neun Mal die FTG, etwa beim Flug nach Bonn zum Kanzleramt im September 1994 oder bei einer Benefizveranstaltung zugunsten eines Kinderkrankenhauses. In drei Fällen luden Veranstalter Biedenkopf zu sich ein, buchten den Flug aber ebenfalls bei Barths Gesellschaft: Biedenkopf gelangte so zum Jubiläum der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südwestfalen, zum Wirtschaftsforum mit der IHK Nordrhein-Westfalen und zum WDR nach Köln. Die Dienste des Großunternehmers für den Politiker sind nach stern-Angaben deshalb brisant, weil Barth in Sachsen mit Biedenkopfs Hilfe riesige Geschäfte abwickelte. 1992 kaufte Barth am Stadtrand von Leipzig günstig Bauland und errichtete das Paunsdorf Center. Auf Anweisung des Ministerpräsidenten mieteten Landesbehörden in dem Komplex Büros für 25 Jahre und zu Mieten von rund 24 Mark pro Quadratmeter. Dies sei, so Biedenkopf am 1. Juli 1993 in einem Aktenvermerk, "an der untersten Grenze des Machbaren". Der Mietvertrag wurde 1996 vom Landesrechnungshof gerügt. Biedenkopf reiste offenbar schon immer gerne mit den Barth-Fliegern. Der stern zitiert aus Biedenkopfs Buch über die Wendezeit, wo dieser sich an einen Kurztripp nach Madrid im Oktober 1990 erinnert: "Heinz Barth hat uns seinen Jet zur Verfügung gestellt, ein Wunderwerk der Technik." Die Staatskanzlei hält Biedenkopfs Flüge mit der FTG für unproblematisch: Die Flüge hätten ohnehin stattgefunden. Diese Meldung ist unter der Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Für Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteur Wigbert Löer (Tel. 040-3703-4409) zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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