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Sharon im stern: Palästinenser kaufen von EU-Geld Waffen
Israels Ministerpräsident fordert Änderung der europäischen Nahost-Politik

    Hamburg (ots) - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat
die europäischen Regierungen aufgefordert, ihre Hilfe für die
Palästinenser nur noch für die "Entwicklung einer Privatwirtschaft
und für konkrete Projekte" einzusetzen. "Wenn man den Palästinensern
einfach Geld gibt, kaufen sie dafür  Waffen", sagte Sharon in einem
Interview mit dem Hamburger Magazin stern.  Sharon kritisierte die
Nahost-Politik einiger EU-Staaten als zu einseitig: "Während
Deutschland viele Jahre das Land gewesen ist, das uns am meisten
unterstützt hat, besteht in manchen europäischen Ländern eine
unausgewogene Sicht der Lage im Nahen Osten."  Alles was er erwarte,
so Sharon weiter, sei "Objektivität. Die existiert nicht".
    
    "Wir sind bereit über alles zu verhandeln", sagte der israelische
Ministerpräsident im stern-Gespräch, "aber nichts wird möglich sein,
bevor der Terror total aufhört." Nach Beendigung der Gewalt werde es
voraussichtlich sechs Wochen dauern, bevor es zu Gesprächen komme.
"Danach braucht es Maßnahmen, um das Vertrauen wieder aufzubauen.
Arafat muss die Größe seiner Truppen reduzieren, die er gegen alle
Verträge verdoppelt hat. All die Waffen in den Händen verschiedener
illegaler Organisationen müssen den amerikanischen Unterhändlern
übergeben werden, einschließlich der schweren Waffen und Raketen."
Erst dann, so Sharon,  könne Israel wieder verhandeln. "Für wahren
Frieden müssen wir alle teuer bezahlen. Er kann fast so schmerzhaft
sein wie der Krieg, selbst für Israel, das nie einen Krieg verloren
hat. Aber niemals darf das auf Kosten unserer Sicherheit geschehen",
betonte der Ministerpräsident.
    
    Arafat übe die volle Kontrolle über die Gewaltaktionen der
Palästinenser aus. "Die aktivste Streitmacht ist die
Präsidentengarde", sagte Sharon. In den Terroreinheiten befänden sich
neben Mitgliedern der Präsidentengarde auch Angehörige des
Sicherheitsdienstes der Palästinenser zusammen mit Fundamentalisten
von Dschihad und Hamas. "Sie sind alle miteinander verflochten.
Selbst der weltweit gesuchte saudi-arabische Terrorist Bin Laden
plant Aktionen in Gaza", sagte Sharon.
    
    Den Vorwurf, auch er habe zur Eskalation des Nah-Ost-Konfliktes
beigetragen, wies Sharon in dem stern-Interview zurück. Generäle, so
Sharon,  stünden immer unter dem Verdacht, den Krieg zu lieben. Durch
seine Kriegserfahrung - "immer war ich an den schlimmsten Schlachten
beteiligt" - , könne er die Bedeutung des Friedens  besser
einschätzen, "als viele Politiker, die darüber reden, ohne solche
Erfahrungen gemacht zu haben."    
    
    
ots Originaltext: Stern
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