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stern: Wirtschaftsprüfer widerspricht Telekom bei umstrittener Immobilienbewertung

Hamburg (ots) - Seit Wochen ermitteln Staatsanwälte in der Bonner Telekom-Zentrale gegen Konzernchef Ron Sommer wegen des Verdachts, von der angeblichen Falschbewertung gewusst zu haben, die bereits zu einer Wertberichtigung um rund 3,9 Milliarden Mark in der Bilanz für das Jahr 2000 geführt hat. Nun steht Sommer nach Informationen des Hamburger Magazins stern neuer Ärger ins Haus - wegen der Bewertung von Grundstücken und Immobilien vor dem Börsengang im Jahre 1996. Die im Jahre 1998 von der Telekom mit einer Sonderprüfung beauftragte Münchner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wedit, auf deren "Sonderprüfung" Sommer bisher zur Entlastung verwiesen hatte, bestreitet nämlich, die umstrittenen Grundstücke überhaupt bewertet zu haben. Wedit habe auftragsgemäß lediglich die Methoden zur Bewertung der rund 34500 sehr verschiedenartigen Immobilien testiert, berichtet der stern und zitiert aus einem internen Bericht des für das Telekom-Gutachten verantwortlichen Wedit-Prüfers: "Wir haben weder vor noch nach dem Stichtag der Eröffnungsbilanz irgendwelche Bewertungsarbeiten vorgenommen." Bei den Grundstücken habe die Wedit auf "Mängel", bei den Gebäuden sogar auf ein "latentes Risiko" verwiesen. Die bilanzierten Buchwerte seien beim Verkauf am Markt nicht zu realisieren. Telekom-Sprecher Ulrich Lissek widersprach gegenüber dem stern: " Das Gutachten gab keinen Grund, die Methoden und die Wertansätze zu korrigieren". Der frühere Geschäftsführer von Telekom-Immobilien, Frerich Görts, der von Telekom 1998 wegen frühzeitiger Kritik an der Bewertungspraxis fristlos entlassen wurde und deswegen gegen den Bonner Konzern klagt, spricht in diesem Zusammenhang von gesetzeswidrigen Manipulationen. Den Verantwortlichen des Konzerns sei "die krasse Falschbewertung ... seit August 1995 in allen Einzelheiten bekannt gewesen", zitiert der stern aus Görts' Klageschrift. Telekom-Sprecher Lissek sagt dazu, das Unternehmen sei allen "Verdachtsmomenten" nachgegangen. Im übrigen verweise er auf das laufende Verfahren. Zusatzinformation: Auf einer Pressekonferenz am gestrigen Dienstag sagte Telekom-Chef Ron Sommer: "Aufgrund unserer veränderten Strategie im Immobilienbereich haben wir unter Berücksichtigung kaufmännischer Vorsicht eine pauschale Risikovorsorge gebildet, die den Konzernüberschuss im Geschäftsjahr 2000 belastet hat. Ich möchte in diesem Zusammenhang ein Wort zur öffentlichen Diskussion um die Immobilienbewertung sagen. Ich kann nur noch einmal betonen, dass wir unsere Bilanzen stets gewissenhaft, korrekt und selbstverständlich unter Beachtung aller rechtlichen Vorschriften aufgestellt haben." "Die Immobilienbewertung in der Eröffnungsbilanz wurde auch im Nachhinein von unabhängigen externen Sachverständigen, einer renommierten WP-Gesellschaft, als völlig korrekt begutachtet. Unsere Wirtschaftsprüfer haben die Richtigkeit der Eröffnungsbilanz und aller Folgebilanzen geprüft und durch ihre Testate uneingeschränkt bescheinigt. Dennoch stellen wir uns der öffentlichen Diskussion und schlagen der Hauptversammlung die Bestellung eines weiteren unabhängigen Abschlussprüfers für 2001 vor. Dieser wird gemeinsam mit unserem bisherigen Abschlussprüfer die Prüfung der Bilanz 2001 vornehmen." Diese Meldung ist unter der Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteur Klaus Wirtgen (Tel. 02224-931838 zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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