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stern: Steuerschätzung bringt 100 Milliarden Mark weniger

    Hamburg (ots) - Die Steuerschätzung im Mai wird für die
öffentlichen Kassen bis zum Jahr 2004 rund 100 Milliarden Mark
weniger Einnahmen ausweisen als bisher vorhergesagt. Das berichtet
das Hamburger Magazin stern in seiner neuen, am Donnerstag
erscheinenden Ausgabe. Die hohe Zahl kommt zustande, weil die
Wirtschaft weniger wächst und bei der letzten großen Steuerschätzung
im Mai 2000 die Folgen der Steuerreform noch nicht berücksichtigt
wurden.
    
    Die Ausfälle im laufenden Jahr werden noch relativ gering
ausfallen, weil die kleine Steuerschätzung im November vorsichtig
gerechnet war. Heinz Gebhardt, Steuerschätzer vom
Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, erwartet
bei vorhergesagten Einnahmen von 899,5 Milliarden Mark nur
Abweichungen "im einstelligen Bereich". Alfred Boss, Finanzexperte
des Kieler Institut für Weltwirtschaft, kalkuliert mit Ausfällen von
sieben Milliarden Mark. Davon müsste Finanzminister Hans Eichel (SPD)
in seinem Etat rund die Hälfte verkraften.
    
    Die großen Einbußen drohen nach stern-Informationen erst später.
Hauptgründe: Bei der letzten großen Schätzung im Mai 2000 wurden die
Folgen der Steuerreform für die Jahre 2002 bis 2004 noch nicht
eingerechnet. Außerdem hatte Eichel damals den Steuerschätzern für
2001 bis 2004 ein Wirtschaftswachstum, inklusive Preissteigerung, von
vier Prozent vorgegeben. Nach der Prognose der sechs führenden
Wirtschaftsforschungsinstitute sind nur noch nominale Wachstumsraten
von 3,0 bis 3,5 Prozent realistisch. Jedes Prozent weniger Wachstum
bedeutet nach einer Faustformel der Experten zehn Milliarden weniger
Steuereinnahmen. Dazu kommen die Kosten der Steuerreform von 20 bis
30 Milliarden Mark jährlich. Im Jahr 2002 sind so statt 967,9 nur
rund 940 Milliarden Mark zu erwarten. 2003 werden es statt 1018,3
höchstens 985 Milliarden Mark sein. Und 2004 kommen nicht 1070,7,
sondern maximal 1030 Milliarden Mark ins Staatssäckel. Einen Teil der
Mindereinnahmen hatte Finanzminister Eichel nach  der Verabschiedung
der Steuerreform bereits in seinen mittelfristigen Finanzplan
eingestellt.
    
    
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Veröffentlichung frei.
    
    
ots Originaltext: stern
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