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stern: Siemens-Chef überzeugte mit leeren Hosentaschen

Hamburg (ots) - In einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern verriet Siemens-Chef Heinrich von Pierer, wie es ihm letztlich gelang die schwierigen Verhandlungen mit der chinesischen Führung über den Bau des Transrapids zu einem positiven Ende zu bringen. Mit einer originellen Geste konnte von Pierer den chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji offenbar davon überzeugen, dass das Ende der Preisverhandlungen erreicht war. "An diesem entscheidenden Tag hatten wir schon über eine Stunde verhandelt, die Zeit drängte, und mir war klar, wenn es jetzt nicht passiert ist es aus", schilderte der Siemens-Chef im stern die damalige Situation. "Der Premierminister redete auf mich ein, und ich habe dabei, ganz unauffällig, meine Taschen geleert: meinen Kamm rausgenommen, das Taschentuch, alles, was man halt so einstecken hat. Ich musste jetzt wirklich etwas Unerwartetes tun. Und die Chinesen haben ja Humor, die lachen wirklich gern - darauf habe ich gesetzt." Er sei aufgestanden, habe sich vor Zhu Rongji aufgebaut, die Hosentaschen rausgezogen und ihm gezeigt, dass sie leer sind. "Aus, nichts mehr drin! Ich bin einfach stehen geblieben, habe kein Wort gesagt, zwei Minuten lang. Ich bin einfach dagestanden und habe gewartet." Alle seien verblüfft gewesen. Der Ministerpräsident habe nicht gewußt, was er machen sollte. "Er guckte mich an, ich schaute zurück, er starrte mich an, ich verzog keine Miene. Dann gab er mir plötzlich die Hand, und die Sache war zu Ende." Die Auseinandersetzung um das neue Betriebsverfassungsgesetz sieht der Vorstandsvorsitzende von Siemens offenbar gelassen. "Das wogt immer hin und her. Aber im Großen und Ganzen sind wir auf einem guten Weg". Nirgendwo auf der Welt gebe es so ein Facharbeitertum und so ein gutes duales Ausbildungssystem wie in Deutschland. Dies gelte es zu verteidigen. "Und ich bin im Grundsatz auch ein großer Verteidiger der Mitbestimmung", sagte von Pierer. Zu dem Kanzler habe er "schon seit langem ein gutes Verhältnis". Schröder habe mal vor Jahren ein gemeinsames Tennismatch angeregt. Jahre später sei Schröder darauf zurückgekommen: "Ich habe mich über Sie erkundigt. Ich schlage vor, dass wir lieber ein Doppel spielen". Heinrich von Pierer war in dieser Sportart Jugendmeister von Bayern. "Wir spielen jetzt zumindest immer auf der derselben Seite des Netzes, und das ist gut so: Gemeinsam sind wir noch ungeschlagen", sagte der Siemens-Chef im stern-Gespräch. Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen: stern-Nachrichtenredaktion, Tel. 3703 - 3558 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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